Protestwelle: So brutal geht das Regime im Iran gegen die Demonstrierenden vor

Published 17 hours ago
Source: stern.de
Protestwelle: So brutal geht das Regime im Iran gegen die Demonstrierenden vor

Die Proteste im Iran reißen nicht ab. In vielen Städten geht das Volk gegen das Ajatollah-Regime auf die Straße – und die Machthaber reagieren mit rigoroser Gewalt.

Zwei Wochen dauern die Proteste im Iran nun schon an – und sie werden eher stärker als schwächer. Was Ende Dezember mit Demonstrationen gegen massiv steigende Preise begann, hat sich zu einer Bewegung ausgeweitet, die das Mullah-Regime ernsthaft gefährden könnte.

Die Machthaber im Iran spielten den Protest zuerst herunter, begegnen ihm mittlerweile jedoch einmal mehr mit rigoroser Härte. Die Demonstrationen werden vom Sicherheitsapparat mit Gewalt niedergeschlagen, es gibt zahlreiche Todesopfer. Verlässliche Zahlen sind schwer zu bekommen, doch Aktivisten sprechen von einem "Massaker". 

Die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights spricht aber von 192 bestätigten Opfern. Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation Hrana geht inzwischen sogar von fast 500 Toten aus. Mehr als 10.600 Menschen seien zudem festgenommen worden. Andere Quellen sprechen sogar von 2000 Todesopfern.

Berichte über Morde an Demonstrierenden im Iran

Das Regime im Iran hat das Internet abgeschaltet, so dringen nur wenige Informationen aus dem Land nach außen. Einzelne Berichte zeigen aber, mit welcher Brutalität die Sicherheitskräfte gegen das Volk vorgehen. So ist in einem Video zu sehen, wie Dutzende tote Körper in schwarzen Säcken vor einer Leichenhalle südlich von Teheran liegen. Menschen suchen verzweifelt nach Angehörigen und Freunden, über deren Verbleib sie keine Informationen haben. Die Menschenrechtsgruppe Hengaw sieht in dem Video einen Beleg für ein "schweres Verbrechen von beträchtlichem Ausmaß".

Ärzte berichten internationalen Medien von überfüllten Krankenhäusern, in denen sich ebenfalls die Leichen stapeln. Ein Mediziner erzählte der BBC, es habe Kopfschüsse und Schüsse in die Herzgegend gegeben, besonders bei jungen Demonstrierenden. Zwei Sanitäter berichteten von Patienten mit Schusswunden durch scharfe Munition und Schrotkugeln.

Es habe "schreckliche Szenen" gegeben, zitiert die BBC eine Person, die in einem Krankenhaus in Teheran arbeitet: "Viele sterben, sobald sie ins Krankenbett kommen. Viele schaffen es nicht einmal bis ins Krankenhaus." 

"Die Straßen sind voller Blut"

Ein Demonstrant sagte der britischen Zeitung "Guardian" bereits vor einigen Tagen, bevor die Regierung das Internet blockierte: "Seit Jahrzehnten erleben wir, wie die Regierungskräfte bei Razzien mit äußerster Gewalt gegen uns vorgehen, und auch diesmal ist es nicht anders. Sie schießen auf jeden und alles." Eine junge Journalistin berichtete dem "Guardian": "Die Straßen sind voller Blut."

Iran Human Rights nennt den konkreten Fall der Studentin Rubina Aminian, der während der Proteste aus nächster Nähe von hinten in den Kopf geschossen worden sein soll. Der Familie habe zunächst die 23-Jährige nicht identifizieren und dann nicht die Leiche mitnehmen dürfen.

Viele weitere Menschen haben den Kampf für die Freiheit und gegen das Mullah-Regime in den vergangenen Tagen ebenfalls mit dem Leben bezahlt – nicht nur in Teheran. Laut dem US-Sender CNN starb ein 42 Jahre alter Vater von drei Kindern durch einen Kopfschuss. Der frühere Bodybuilding-Weltmeister starb bei den Protesten in Rasht im Nordwesten des Iran. "Wir wollen nur unsere Rechte, die Stimme, die vierzig Jahre lang unterdrückt wurde, muss lautstark erhoben werden", hatte er zuvor laut einem oppositionsnahen iranischen Medium auf seinem Instagram-Account gepostet.

Präsident warnt vor Demonstrationen

Menschenrechtsaktivisten und Beobachter befürchten, dass die Lage im Iran noch weiter eskalieren und es zu vielen weiteren Todesopfern kommen könnte. Der iranische Präsident Massud Peseschkian warnte "Aufrührer" vor weiteren Demonstrationen. Es könne nicht zugelassen werden, dass "Aufrührer die Gesellschaft destabilisieren", sagte er in einem Fernsehinterview. Die Jugend des Landes dürfe sich nicht durch "Terroristen" täuschen lassen. 

Die Bevölkerung rief er auf, "Vertrauen in unseren Willen zur Durchsetzung der Gerechtigkeit" haben. Polizeichef Ahmed-Resa Radan sagte im Staatsfernsehen, bei den Protesten am Samstagabend seien zahlreiche Menschen festgenommen worden. Verantwortliche für die "Unruhen" würden bestraft.

Quellen: BBC, "Guardian", Iran Human Rights, CNN, Nachrichtenagenturen

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