BTS: Dieses Musik-Comeback bringt selbst Analysten zum Träumen

Published 3 hours ago
Source: stern.de
BTS: Dieses Musik-Comeback bringt selbst Analysten zum Träumen

Am 14. Januar veröffentlicht die südkoreanische Boyband BTS ihre Tourdaten. An der Börse, bei Netflix und den großen Luxuskonzernen wartet man nur darauf.

Es war am Neujahrsmorgen 2026, um 0 Uhr koreanischer Zeit, als Bighit Music bekanntgab, worauf Millionen von Fans in aller Welt sehnsüchtig gewartet hatten: BTS wird ein neues Album (Erscheinungstermin: 20. März) veröffentlichen, und dann auf Welttournee gehen. Die genauen Tourdaten werden am 14. Januar bekanntgegeben. Für die sieben Männer zwischen 28 und 33, die längst Multimillionäre sind, ist es die erste großangelegte gemeinsame Aktivität seit fast vier Jahren. 

Auch Analysten bringt die Ankündigung zum Träumen. Schließlich gehört das Label Bighit Music zum koreanischen Unterhaltungsriesen Hybe, der neben BTS auch die K-Pop-Stars von Seventeen, TXT und Le Sserafim unter Vertrag hat – und dessen Börsenwert direkt an den Erfolg seiner wichtigsten Cashcow gekoppelt ist.

Für Südkorea ist die Boygroup bestehend aus RM, Jin, Suga, J-Hope, Jimin, V und Jungkook ein Exportschlager. Das Debüt von BTS im Jahr 2013 gilt als Katalysator der globalen Phase des "Hallyu"-Phänomens, der "koreanischen Welle". Darunter versteht man den Aufstieg Südkoreas zum weltweiten Trendsetter, so wie es einst den USA gelang – mit Western, Elvis und MTV. 

Heute liefert Seoul die Musik, die Serien, die Kosmetik-Rituale und die Looks, über die mehr und mehr junge Menschen sprechen – und danach Kauf- sowie Urlaubsentscheidungen treffen. BTS sorgten für die nötige Strahlkraft: Sie eroberten als eine der ersten nicht-englischsprachigen Bands dauerhaft die US-Charts, sprachen vor den Vereinten Nationen – und sozialisierten Millionen von Konsumenten für koreanische Kultur.

JP Morgan hebt Prognose für Aktie an

Die ungeheure Dimension des BTS-Comebacks lässt sich in ersten Prognosen ablesen: Hyundai Motor Securities erwartet 65 Shows, mit vier Millionen Zuschauern und 664 Mio. Dollar an Ticketerlösen. Rechnet man Merchandise, Alben und Streaming hinzu, schätzt der Branchendienst "Billboard" die Gesamteinnahmen auf über 1 Mrd. Dollar. Zum Vergleich: Beyoncé glückte die umsatzstärkste Tour 2025 mit 407 Mio. Dollar – bei 32 Shows.

Vorsorglich haben die Experten von JPMorgan ihr Kursziel für die Hybe-Aktie um 68 Prozent angehoben, auf etwa 420.000 Won (248 Euro). Hana Securities prognostiziert eine Marktkapitalisierung von 15 Billionen Won (8,9 Mrd. Euro). "Allein die zusätzlichen IP-Einnahmen könnten eine Billion Won (590 Mio. Euro) übersteigen", sagt Lee Hwan-wook von Yuanta Securities.

BTS-Mitglieder als Werbegesichter der Luxuskonzerne

Das Jahr 2025 hat bewiesen, dass Koreas Kulturindustrie auch ohne BTS ein Schwergewicht ist: die Gruppe Stray Kids brach mit den 2,15 Millionen Tickets ihrer "dominATE"-Tour bisherige Rekorde und trat in Frankfurter Deutsche Bank Park auf – eine Deutschland-Premiere für das Genre. Der Netflix-Film "K-Pop Demon Hunters" wurde mit über 500 Millionen Views zum erfolgreichsten Film der Streaming-Plattform und mit Preisen überhäuft.

In 65 Städte rund um den Globus wird die neue Tour das K.Pop-Septett führen. Die Gesamteinnahmen aus Tickets und Souvenirs erwarten Analysten im Milliardenbereich
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© Collection Christophel | Pathé Live

BTS sind nicht die einzigen, die 2026 zurückkehren: Blackpink, die erfolgreichste K-Pop-Girlgroup, hat neue Musik angekündigt und BigBang rund um K-Pop-Legende und Chanel-Botschafter G-Dragon steht nach acht Jahren Pause ebenfalls vor einem Comeback. Keine Frage, die südkoreanische Musikindustrie fährt ihre größten Namen gleichzeitig hoch – ein Stresstest für die These, dass das Ökosystem tragfähig genug ist. Unter Volllast.

Warum die Luxusbranche wiederum sehr genau hinschaut? Die BTS-Mitglieder sind globale Werbegesichter für Dior, Louis Vuitton, Tiffany & Co., Celine, Chanel oder Bottega Veneta. Wo sie auftreten, tragen sie deren Kollektionen und Preziosen auf die größten Bühnen der Welt – vor einem Millionenpublikum, das jedes Outfit auf Social Media diskutiert. Und möglichst nachkauft.

Allerdings sind die reinen Ankündigungen der verschiedenen Comebacks noch kein Garant für absoluten Erfolg: Nur wenn Hybes andere Acts das Momentum halten können, solange BTS die globale Aufmerksamkeit absorbieren, wird sich zeigen, ob Koreas Entertainment-Konglomerate diversifiziert genug sind.

Und es gibt Governance-Risiken: Hybe-Gründer Bang Si-hyuk steht wegen mutmaßlichem IPO-Betrug vor Gericht; seine Anteile im Wert von 157 Mrd. Won (93 Mio. Euro) wurden eingefroren. Parallel schwelt der Kampf der Gruppe NewJeans gegen ihr (Hybe-)Label – ein Konflikt, der systemische Schwächen in der Vertragsstruktur des K-Pop offenlegte.

Fast vier Jahre haben Fans in aller Welt darauf gewartet, dass die sieben Künstler von BTS wieder auf einer Bühne stehen. Die Gründe: Pandemie und Militärdienst
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© NurPhoto | Chris Jung

Ausblick für Investoren

Hinter den optimistischen Prognosen lauern weitere strukturelle Risiken: So fielen die physischen K-Pop-Albumverkäufe im Jahr 2024 um 20 Prozent, 2025 um weitere neun Prozent. Das Geschäft verschiebt sich zu Live-Konzerten – doch eine Tournee bringt einmalige Einnahmen, keinen regelmäßig planbaren Umsatz. Und wohl keine Band kann vier Jahre Pause nahtlos überbrücken.

Präsident Lee Jae Myung will Südkorea derweil zur "Top-Fünf der Soft-Power-Nationen" machen, Länder also, die eher mit Beats als mit Bomben ihren Einfluss in der Welt vergrößern. Das Budget des Kulturministeriums liegt bei 4,6 Mrd. Euro – mehr als doppelt so viel wie der deutsche Bundeskulturetat. Angesichts von kolportierten 300 Billionen Won (177 Mrd. Euro), die der K-Culture-Markt bis 2030 wert sein könnte, wäre das eine mehr als lohnenswerte Investition.

An der Börse erscheint die Hybe-Aktie eine verlockende Wette – mit hohem Einsatz für Investoren: Gelingt BTS ein lukratives Wiedersehen mit ihrer Fangemeinde, winken stattliche Gewinne; enttäuscht das Comeback und bringt der Prozess gegen den CEO das Management in Bedrängnis, dann drohen herbe Verluste. Der Konkurrent JYP Entertainment (u. a. Stray Kids, TWICE) gilt mit 24,6 Prozent Gewinnmarge als stabilere Anlage.

Selbst die triumphalste Rückkehr löst ein sehr menschliches Grundproblem nicht: Die sieben Männer um die 30 werden zwar noch lange, aber eben nicht ewig auf Stadionbühnen stehen können. Die eigentliche Frage für die K-Pop-Branche, Hybe und Südkorea lautet daher nicht, ob BTS 2026 liefern werden, sondern was danach kommt.

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