Golden Globes im Zeichen der Proteste gegen Trumps ICE. Das ungewöhnliche Statement des US-Notenbank-Chefs. Außerdem: Proteste im Iran – und Europa schaut zu. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
wenn in den USA wichtige Filmpreise verliehen werden, dann schwingt immer auch die Politik mit. Roter Teppich und Bühne werden zu Plattformen für Statements und Protest. Schicke Outfits, Partystimmung – und eine Prise politischer Sprengstoff.
Im Umfeld der großen Award-Shows treffen Welten aufeinander, quasi Gegenpole einer tief gespaltenen Gesellschaft. Konservative kritisieren seit Jahren das "woke Hollywood", während sich Filmemacherinnen und -macher als moralische Gegenstimmen zur Regierungspolitik positionieren.
In der Nacht wurden in Beverly Hills also die Golden Globes verliehen (mehr über die Preisträger lesen Sie hier – und die Outfits vom roten Teppich können Sie hier angucken). Und auch in diesem Jahr nutzten Stars die Gelegenheit, um Zeichen zu setzen und Stellung zu beziehen: gegen die Politik von Donald Trump.
Golden Globes 2026: Protest mit Ansteckern
Die Golden Globes 2026 waren die ersten, seitdem Donald Trump wieder Präsident ist – seitdem er die USA zu einem Staat mit autoritären Zügen umgebaut hat, im Ausland Diktatoren entführen lässt und auch die "Feinde im Inneren" sucht: die, die nicht seiner Meinung sind. Die wichtige Preisverleihung, sie fand insbesondere im Schatten der jüngsten innenpolitischen Proteste in den USA statt: Seitdem die 37-jährige Renee Nicole Good in Minneapolis von einem Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE erschossen wurde, gehen in den USA wieder Zehntausende auf die Straßen.
Dementsprechend wurde im Vorfeld viel spekuliert: Wie politisch wird es bei den Golden Globes?
Das lag bereits an den Nominierungen: Neunmal wurde "One Battle After Another" nominiert – so oft wie kein anderer Film. Der Film ist gleichzeitig politischer Thriller und Komödie, es geht um militante linke Aktivisten, die sich als revolutionäre Bewegung begreifen und Menschen aus einem ICE-Abschiebegefängnis befreit haben.
Insgesamt räumte "One Battle After Another" bei der Verleihung dann vier Preise ab – unter anderem als bester Film in der Kategorie Komödie/Musical und für die beste Regie (Regisseur Paul Thomas Anderson).

© Chris Pizzello/Invision/AP/
Und sonst? Während auf der Bühne die großen politischen Momente ausblieben, bezogen einige Stars auf dem roten Teppich Stellung – allen voran Schauspielerin Jean Smart: "Ich habe das Gefühl, wir befinden uns in diesem Land an einem Wendepunkt, und ich hoffe, die Menschen behalten einen kühlen Kopf, denn das ist tatsächlich das Schwierigste", sagte Smart der "Entertainment Tonight". Später wurde sie für ihre Rolle in der Dramedy-Serie "Hacks" als beste Hauptdarstellerin im Bereich Komödie/Musical ausgezeichnet.
"Ich weiß, dass es Leute gibt, die es nervig finden, wenn Schauspieler solche Gelegenheiten nutzen, um über soziale und politische Dinge zu sprechen", sagte Smart auf dem roten Teppich. "Aber ich spreche hier nicht als Schauspielerin, sondern als Bürgerin und Mutter, und ich hoffe, die Leute verstehen das."
Auch optisch setzten Smart und andere Stars ein Zeichen: mit Ansteckern. Mehrere Promis trugen Buttons mit der Aufschrift "Be Good" – als Referenz auf die ermordete 37-Jährige aus Minneapolis. Auch Mark Ruffalo, Wanda Sykes oder Natasha Lyonne beteiligten sich an der Aktion. Andere trugen Anstecker mit der Aufschrift "ICE Out" – ICE raus.
Das ungewöhnliche Statement des US-Notenbank-Chefs
Seit Monaten zetert Donald Trump gegen den Chef der US-Notenbank, Jerome Powell. Mal nennt er ihn einen "Schwachkopf", mal einen "Verlierer". Mehrfach hat er gedroht, Powell zu feuern – als könnte er das einfach so, als sei die Notenbank keine unabhängige Institution.
Trump will erreichen, dass der Leitzins gesenkt wird, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dafür sind ihm alle Mittel recht.
Fed-Chef Powell hat sich bislang um Ruhe und Sachlichkeit bemüht, sich öffentlich zurückgehalten. Jetzt äußert er sich in einem höchst ungewöhnlichen Statement und erklärt, die US-Notenbank habe eine Vorladung vom US-Justizministerium erhalten. Powell: "Die Drohung mit einer Anklage ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinssätze nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen Interesse festlegt und nicht den Präferenzen des Präsidenten folgt."
5-Minuten-Talk: Aufstand im Iran – und Europa schaut zu
Im Iran protestieren Zehntausende gegen das verhasste Regime der Mullahs. Aber was tut eigentlich Deutschland, was unternimmt Europa? Was folgt aus den vielen Mahnungen? Darüber diskutieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz im Podcast 5-Minuten-Talk:
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Stefan Düsterhöft
