Abgesagte Konzerte, schneefrei für Schulkinder, gesperrte Parks, Winterdienst im Dauereinsatz. Das Sturmtief "Elli" hat Schnee und Wind im Gepäck. Wie ist die Lage am Vormittag?
Das Sturmtief "Elli" nimmt in und um Hamburg sowie in großen Teilen Schleswig-Holsteins und im Südwesten Mecklenburg-Vorpommerns langsam Fahrt auf. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet bis zum Mittag allerdings etwa fünf Zentimeter weniger Neuschnee als zunächst angenommen.
"Für Hamburg und Schleswig-Holstein sehen wir derzeit fünf bis zehn Zentimeter bis heute Nachmittag", sagte DWD-Meteorologe David Menzel der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Der meiste Schnee werde dabei am Vormittag fallen. "Er hält danach noch weiter an, wird aber nicht mehr ganz stark ausfallen. Gegen Mittag wird es mit dem Schneefall schon wieder runter gehen."
Windhöhepunkt am Mittag
Dafür nehme aber der Wind deutlich zu. An den Küsten werden schwere Sturmböen erwartet, im Binnenland stürmische Böen. Und die wirbeln den frisch gefallenen Schnee ordentlich durchs Land. Der DWD hat deshalb vor starken Schneeverwehungen im Norden Deutschlands gewarnt. Die amtliche Unwetterwarnung gilt zunächst bis zum frühen Samstagmorgen.
Der Wind werde um die Mittagszeit am stärksten wehen. "Da müssen wir uns auf jeden Fall noch auf ein bisschen was gefasst machen", sagte Menzel weiter. Das Gröbste sei überstanden, wenn gegen Nachmittag/Abend der Wind wieder langsam abnimmt.
Experte: Winterlicher Sturm nicht außergewöhnlich
Nach Einschätzung des DWD-Meteorologen könnte die aus Südwesten nach Norden ziehende Front schon knapp hinter der Elbe von den starken Ostwinden abgebremst werden. "Es ist schon davon auszugehen, dass sie Lübeck vermutlich nicht erreicht. Das sagen uns aktuell die Modelle."
Die aktuelle Wetterlage sei zwar durchaus etwas Besonderes, weil es zuletzt wenige intensive Winter im Norden gegeben habe. Aber: "Ich würde es nicht als ein Jahrhundert-Event einordnen. Das ist es auf gar keinen Fall. Es ist ein winterlicher Sturm und - wenn man das große Ganze betrachtet - nichts sonderlich Außergewöhnliches."
Schneefrei für Schulkinder und leere Straßen
Auf den Alltag der Menschen im Norden hat das angesagte Winterwetter dennoch Einfluss. So sind viele Kinder und Jugendliche daheim, weil die Schulen in Hamburg und in vielen Landkreisen Schleswig-Holsteins "schneefrei" gegeben haben. Vielerorts gibt es eine Notbetreuung. Das Gleiche gilt für zahlreiche Kita-Kinder. Auch Studenten in Hamburg und Schleswig-Holstein dürfen/müssen heute von daheim aus lernen. Präsenzveranstaltungen in Kiel fallen aus, in Flensburg bleibt der Uni-Campus heute geschlossen.
Viele Menschen haben den Appell der Behörden, Krankenhäuser und Verkehrsbetriebe ernst genommen und sind heute daheim geblieben. Die Verkehrsleitzentrale Hamburg hat am Morgen deutlich weniger Verkehr auf den Straßen registriert als üblich. "Der Freitag ist ja in letzter Zeit insgesamt weniger gewesen. Aber heute ist es deutlich überschaubarer", sagte eine Sprecherin. Es gebe auch bislang noch keine Unfälle auf den Autobahnen und in der Stadt. "Die fahren alle gesittet. Bisher haben wir nichts zu bemängeln."
Einschränkungen und Ausfälle im Bahnverkehr
Im Bahnverkehr in Schleswig-Holstein und Hamburg kommt es aufgrund des Winterwetters zu Einschränkungen und Ausfällen. Laut der Deutschen Bahn können diese im Regionalverkehr voraussichtlich bis zum Sonntag andauern. Vereiste Fahrzeuge führte zudem dazu, dass Züge teils mit weniger Wagen fuhren.
Das Bahnunternehmen Erixx rief Reisende dazu auf, Fahrten zu verschieben und zu Hause zu bleiben. In den Kreisen Dithmarschen, Steinburg, Nordfriesland, Stormarn und Herzogtum Lauenburg stellte Autokraft den Busverkehr ein. Im Kreis Schleswig-Flensburg begann der Betrieb zunächst planmäßig, könnte jedoch im Laufe des Vormittags eingestellt werden.
Die Nordbahn will ihre Strecken wegen des Winterwetters am Vormittag prüfen. Erst danach soll der Zugverkehr wieder starten. Betroffen sind alle Verbindungen zwischen Hamburg und Itzehoe, Wrist, von Bad Oldesloe über Neumünster und Heide bis Büsum, von Flensburg über Eckernförde nach Kiel sowie von Kiel über Rendsburg und Husum nach Bad St. Peter-Ording, teilte die Eisenbahngesellschaft auf ihrer Website mit.
Einzelne Flüge gestrichen
Auch am Hamburger Flughafen gibt es witterungsbedingte Einschränkungen - allerdings vergleichsweise wenige. Aktuell sind 18 Starts und 19 Landungen gestrichen, wie der Flughafen auf seiner Internetseite mitteilte.
"Aufgrund der anhaltenden Extremwetterlage kommt es zu Beeinträchtigungen im Luftverkehr, nicht nur in Hamburg, sondern auch an wichtigen Luftfahrt-Drehkreuzen wie Amsterdam oder Paris. Es gibt Verzögerungen, die Airlines haben zurzeit einzelne Flüge gestrichen", sagte eine Flughafen-Sprecherin. Flugreisende sollten sich vor Abflug bei ihrer Airline über den Status des Fluges informieren.
