Im Januar essen viele Menschen weniger Fleisch oder trinken weniger Alkohol. Manche verzichten gleich ganz und setzen auf Trends wie Veganuary oder Dry January. Was sagt die Gastro zu der Entwicklung?
Die Festtage sind vorbei, die Weihnachtsgans ist gegessen, die Korken haben geknallt. Nun sehnen sich viele Menschen nach einer gesünderen Lebensart. Manche verzichten im Januar sogar ganz auf tierische Produkte und Alkohol: Kampagnen wie "Veganuary" und "Dry January" liegen im Trend.
Doch was bedeutet das für die Gastronomie?
"Wir sehen das eher als Chance", sagt Gisbert Kern, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Dehoga Hessen. Dabei gehe es auch nicht nur um kurzfristige Aktionen im Januar, sondern um einen generellen Wettbewerbsvorteil. "Um zukunftsfähig zu bleiben, kommt man gar nicht an einem guten veganen und alkoholfreien Angebot vorbei."
Inzwischen hätten viele Restaurants in Hessen zahlreiche vegane Gerichte auf den Speisekarten, um die Bedürfnisse der Gäste abzudecken. Und auch die Nachfrage nach alkoholfreien Speisebegleitungen steige permanent. "Das ist ein Trend, der wirklich abzusehen ist – nicht nur in der Sternengastronomie, sondern auch in der kleinen Eckkneipe."
Gastronomen sollten sich treu bleiben
Den Gastronomen empfiehlt er, bei der Auswahl der veganen Gerichte der jeweiligen Küche treu zu bleiben und kreativ zu sein. Eine gewisse Flexibilität sei heutzutage unerlässlich. "In größeren Runden, das kennt man ja auch aus dem privaten Freundeskreis, ist oftmals ein Vegetarier, ein Veganer oder jemand mit Unverträglichkeiten dabei."
Und: "Um wirklich auch alle Gäste glücklich zu machen, stellen sich die Gastronomen bestenfalls schon mit ihren Speisekarten darauf ein." Generell hätten sich die Speisen deutlich weiterentwickelt. "Wenn man überlegt, vor 25 Jahren, da waren der Gemüseteller oder der Salatteller oftmals die einzigen Alternativen."
Laut dem aktuellen Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums, der im November 2025 vorgestellt wurde, hat sich übrigens in den letzten 10 Jahren in Deutschland eine eindeutige Entwicklung beim Fleischverzehr gezeigt. So gaben 24 Prozent an, dass sie täglich Fleisch essen. 2015 habe der Anteil noch bei 34 Prozent gelegen. 37 Prozent bezeichneten sich heute als sogenannte Flexitarier. Sieben Prozent ernährten sich derzeit vegetarisch und zwei Prozent vegan.
Januar löse klassische Fastenzeit ab
Nach Einschätzung des Dehoga ist der Januar auch dabei, die klassische Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern abzulösen. "Wir beobachten eine Verschiebung, dass immer mehr Menschen zum Jahresbeginn Verzicht üben", sagt Kern.
Aber generell seien vegane und vegetarische Küche sowie Getränke ohne Promille auch ganzjährig immer beliebter. "Das merkt man auch daran, dass sich Winzer und Getränkehersteller längst darauf einstellen und spannende alkoholfreie Alternativen anbieten."
Auch die Barmer-Krankenkasse riet unlängst zum Verzicht: "Nach den Feiertagen sind ein Dry January oder auch die Fastenzeit gute Gelegenheiten, ohne Alkohol in das Jahr zu starten." Doch generell seien die Menschen in Hessen seltener wegen Alkoholmissbrauch in medizinischer Behandlung als der bundesdeutsche Durchschnitt. So waren im Auswertungsjahr 2023 laut Barmer rund 10,6 von 1.000 Personen in Hessen wegen Alkoholmissbrauchs in ärztlicher Behandlung – 14 Prozent weniger als im Bundesschnitt.
