Blackout: Wie der Stromausfall einen Berliner fast ersticken ließ

Published 1 day ago
Source: stern.de
Blackout: Wie der Stromausfall einen Berliner fast ersticken ließ

Der Stromausfall in Berlin hatte harte Folgen für Tausende Menschen. Das Schicksal eines Mannes am Beatmungsgerät zeigt, welche Auswirkungen auch ganz individuell drohen können.

Wenn man einen Beleg dafür haben will, welch dramatische Folgen ein großer Stromausfall haben kann, braucht man sich nur den Fall von Andreas Thomsen anzuschauen. Zwei Minuten hatte er noch auf der Uhr. Hätte Thomsen noch ein bisschen länger gewartet, um die Feuerwehr zu alarmieren – er wäre wohl erstickt.

Der 68-jährige Rechtsanwalt leidet an einer Amyotrophen Lateralsklerose und ist auf künstliche Beatmung angewiesen. Von dem mutmaßlich linksextremistischen Anschlag auf das Stromnetz im Berliner Südwesten sind auch er und sein Beatmungsgerät in seinem Zuhause am Großen Wannsee betroffen.

Am Samstag, den 3. Januar 2026, schaltet sich plötzlich dessen Not-Akku ein, maximale Laufzeit: sechs Stunden. So schildert der Mann es dem "Tagesspiegel Checkpoint". Zunächst habe es keine Anzeichen dafür gegeben, dass es sich um einen lang andauernden Stromausfall handelt. Thomsen harrt mehrere Stunden in seinem Bett aus, schaut auf die Uhr und entscheidet schlussendlich, einen Pfleger zu bitten, die Feuerwehr zu rufen.

Stromausfall: Plötzlich neigt sich der Akku dem Ende zu

Am Grundstück eingetroffen, steht diese vor einem Problem: Das elektrische Rolltor lässt sich nicht öffnen. Kein Strom. Es dauert, bis die Einsatzkräfte das Hindernis überwinden. An Thomsens Bett angekommen, erwartet sie der nächste Rückschlag: Das neue Beatmungsgerät lässt sich nicht anschließen. Der Patient gerät in Panik, die Akku-Kapazität neigt sich dem Ende zu.  

Die Einsatzkräfte entscheiden, den bettlägerigen und schwergewichtigen Mann aus seinem Bett in den Rettungswagen zu bringen. Aufgrund des Stromausfalls ist auch der Aufzug außer Betrieb, der Patient wird durchs enge Treppenhaus getragen. Mittlerweile sind rund zehn Einsatzkräfte im beteiligt. Als Andreas Thomsen von der Notärztin endlich an ein vollgeladenes Beatmungsgerät im Rettungswagen angeschlossen wird, ist im Akku nur noch Strom für zwei Minuten Beatmung. Um den panischen, sich wehrenden Patienten zu beruhigen, spricht die Ärztin ihm gut zu: "Auch dieses Gerät steht dem Leben nicht im Weg."

In der DRK-Klinik im Westend erzählt Thomsen seine Geschichte den "Tagesspiegel"-Journalisten. Er ist außer Gefahr und hofft darauf, bald wieder nach Hause zu können. "Ich kämpfe darum, noch länger zu leben", sagt er. Für seinen minderjährigen Sohn, für die Freunde, die ihn besuchen. Vielleicht auch für die, wie er sie nennt, "Helden", die ihn gerettet haben.

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