morgenstern: Über das Silvester-Inferno werden immer mehr erschütternde Details bekannt

Published 1 day ago
Source: stern.de
morgenstern: Über das Silvester-Inferno werden immer mehr erschütternde Details bekannt

40 Menschen starben Silvester in Crans-Montana. Mittlerweile weiß man immer mehr. Außerdem: Steakhaus-Chef Block spricht über Prozess. Und: War's das mit der FDP? Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die schrecklichen Nachrichten aus der Schweiz haben mich an Neujahr tief bewegt: 40 Menschen tot, über 100 weitere zum Teil schwer verletzt. Gestorben in einer Bar, die zur Feuerhölle wurde. Kein Entkommen von dem Ort, an dem die Leute einfach nur feiern, einen schönen Jahreswechsel verbringen wollten.

Während Mediziner weiter um die Schwerverletzten kämpfen, kommen immer mehr erschütternde Details über die Brandkatastrophe von Crans-Montana ans Licht.

Feuer-Inferno von Crans-Montana: Wie konnte es bloß dazu kommen?

Über die Opfer des Feuers in der Bar "Le Constellation" herrscht mittlerweile traurige Gewissheit: Die Hälfte der 40 Toten war minderjährig, das jüngste Opfer war gerade einmal 14, das älteste 39 Jahre alt. 83 Menschen liegen weiter in Kliniken, viele mit schwersten Verbrennungen. Und die, die überlebten, mussten teilweise aus nächster Nähe miterleben, wie ihre Freunde starben.

Wie konnte es bloß zu diesem Unglück kommen? Gegen den Bar-Betreiber und seine Frau wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und fahrlässigen Brandstiftung ermittelt. Doch Vorwürfe gibt es auch gegen die zuständigen Kontrollbehörden. Es geht um massive Sicherheitsmängel. 

"Diese Tragödie hätte durch Prävention und gesunden Menschenverstand verhindert werden können und müssen", sagte Italiens Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, gestern zum Schweizer Sender RTS. Aus seiner Sicht seien Sicherheitsstandards nicht eingehalten worden. Ein Betrieb ohne Notausgänge, ohne Feuerlöscher und mit Schaumstoffpolsterung an der Decke "hätte in Italien niemals geöffnet bleiben können".

Zuvor hatten sich Ex-Bar-Mitarbeiter öffentlich geäußert. So sagte etwa eine Frau, die 2023 dort arbeitete,  zum französischen Sender BFMTV,der Notausgang sei verschlossen gewesen, "weil er direkt ins Gebäude führte". Den Angestellten habe man "verboten", diese Tür zu öffnen. Der einzige Evakuierungsweg habe über eine enge Treppe geführt. Darüber 200 Menschen in zehn Minuten aus der Bar zu holen, sei "unmöglich" gewesen.

RTS veröffentlichte ein Video, das angeblich aus der Silvesternacht 2019/2020 stammt. Auch damals wurden demnach Feuerwerksfontänen in Sektflaschen durch die Bar getragen – die Ermittler gehen davon aus, dass solche Fontänen die Decke entzündet und das verheerende Feuer ausgelöst haben. "Vorsicht vor dem Schaum", sagt ein Kellner in dem Video – gemeint ist offenbar die Dämmung an der Decke. Laut RTS gab es bereits 2015 bei Umbauten Bedenken hinsichtlich des eingesetzten Materials. Damals soll auch die Kellertreppe verengt worden sein – der offenbar einzige Fluchtweg.

Warum fielen die mutmaßlichen Mängel niemandem auf? Gab es keine hinreichenden Kontrollen? Auch das wird jetzt ermittelt. Der Bar-Betreiber erklärte gegenüber Medien, die Lokalität sei innerhalb von zehn Jahren dreimal kontrolliert worden.

Auch die Gemeinde Crans-Montana steht unter Druck. Laut der Zeitung "Le Temps" will der Anwalt der Eltern eines der Opfer eine für heute angesetzte Pressekonferenz der Gemeinde verbieten lassen: Es sei "inakzeptabel", dass eine möglicherweise für Fahrlässigkeit verantwortliche Behörde sich außerhalb eines möglichen Verfahrens verteidige.

Laut RTS hat der Gemeinderat von Crans-Montana unterdessen beschlossen, dem Betreiber der Unglücks-Bar die Betriebserlaubnis für eine zweite Bar zu entziehen.

Steak-König Block hofft auf die Hilfe der Justiz

Es ist wohl eher ungewöhnlich, dass sich die Väter von Angeklagten in Reden über laufende Prozesse äußern – aber was ist am Block-Prozess schon normal? Insofern verwundert auch nicht, wie der Neujahrsempfang 2026 der Hamburger Block-Gruppe ("Block-House", "Jim Block") lief.

Über 100 Menschen waren zu Gast im edlen Hamburger Hotel Grand-Elysée, das auch zum Unternehmen gehört, als Firmenchef Eugen Block seine Rede hielt. Und dabei kam er dann auch auf den Prozess gegen Tochter Christina zu sprechen: "Ich hoffe sehr, dass im neuen Jahr die Hamburger Justiz mir und meiner Familie wirklich ein gutes Recht bringt und die nötige Hilfe beschert, die wir brauchen", sagte der 85-Jährige. "Die Hilfe, damit die Kinder wieder zur Mama kommen."

Christina Block steht seit einem halben Jahr in Hamburg vor Gericht, angeklagt wegen Kindesentziehung. Sie soll den Auftrag gegeben haben, ihre Kinder vom Wohnort des Vaters, ihres Ex-Mannes Stephan Hensel, in Dänemark zu entführen und nach Deutschland zu bringen. 

"Ich hoffe sehr, dass auch der Hensel bald wirklich verklagt wird. Das ist der Alleinschuldige", sagte Vater Block – um sonst noch über Kanzler Merz zu sprechen und gute Wünsche an die Anwesenden zu richten: "So, und damit wünsche ich Ihnen heute Abend Freude, Abstand vom Gericht in diesem Jahr."

5-Minuten-Talk: Interessiert sich noch jemand für die FDP?

Erinnern Sie sich noch an die FDP? Die Liberalen treffen sich heute in Stuttgart zu ihrem traditionellen Jahresauftakt. Noch nie ging es der Partei so schlecht. War's das? Darüber streiten die stern-Politikchefs:

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Stefan Düsterhöft

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