Es geht um "besonders dreiste Fälle von versteckten Preiserhöhungen": Die Verbraucherzentrale Hamburg sucht erneut die "Mogelpackung" des Jahres. Verbraucherinnen und Verbraucher können bis zum 20. Januar online abstimmen, welches von fünf Produkten den Schmähpreis bekommen soll. Zur Auswahl stehen die Milka-Schokolade, eine Backmischung von Dr. Oetker, ein Müsli von Kölln, ein Nudel-Fertiggericht von Knorr und Kaffeesticks von Jacobs.
Die Auswahl basiert auf der "Mogelpackungsliste" der Verbraucherzentrale Hamburg, die Produkte auflistet, bei denen Hersteller oder Händler den Preis intransparent erhöht haben, meist durch geringere Füllmengen bei gleichbleibendem oder sogar steigendem Preis. Die gesamte Liste sei im vergangenen Jahr um 77 neue Produkte erweitert worden - die zweithöchste Zahl seit Beginn der Erhebung, erklärten die Verbraucherschützer am Montag.
Die durchschnittliche versteckte Preiserhöhung der veröffentlichten Produkte lag demnach bei 28,4 Prozent. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes betrug die offizielle Teuerungsrate für Nahrungsmittel bis einschließlich Ende November im Durchschnitt lediglich 2,1 Prozent. "Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Hersteller und Händler versteckte Preiserhöhungen gezielt nutzen, um Verbraucherinnen und Verbraucher besonders stark zur Kasse zu bitten", kritisierte Armin Valet von der Verbraucherzentrale.
Bei der Milka Alpenmilch Schokolade beträgt die versteckte Preiserhöhung demnach 48 Prozent. Die Füllmenge reduzierte der Hersteller von 100 auf 90 Gramm, der Preis stieg gleichzeitig von 1,49 auf 1,99 Euro.
Die Käse-Streusel Backmischung verkaufte der Hersteller Dr. Oetker laut Verbraucherzentrale als neues Produkt - "obwohl sich an der Rezeptur kaum etwas geändert hat". Der fertig gebackene Kuchen sei nur noch halb so groß, bezogen auf die Füllmenge steige der Preis für die Backmischung um knapp 90 Prozent.
Der Hersteller Kölln machte demnach beim Schoko Hafer-Müsli aus dem Vorratspack ein XXL Pack und reduzierte dabei die Füllmenge von 1700 auf 1050 Gramm. Der Verkaufspreis sei zwar gesenkt worden, dennoch sei das Müsli nun knapp 30 Prozent teurer.
Auch beim Fertiggericht Penne Pomodoro Mozzarella von Knorr steigt der Preis stärker als die Füllmenge, wie die Verbraucherschützer monierten. Unter dem Strich betrage die Preiserhöhung 29 Prozent.
Bei den 3in1 Classic Kaffeesticks von Jacobs schrumpfte der Inhalt jedes Sticks den Angaben zufolge von 180 auf 120 Gramm. Bei einem etwas höheren Verkaufspreis werde das Getränk so um 56 Prozent teurer.
Ein Unternehmenssprecher erklärte, dank eines neuen "Milch-Creamers" sei das Pulver in den Sticks ergiebiger. Daraus ergebe sich eine neue Füllmenge. Diese "Optimierung" sei Teil des Unternehmensprogramms für eine gesunde und genussvolle Ernährung - der Zuckergehalt pro Tasse sei um 30 Prozent sowie die Kalorien seien reduziert worden. Der Preis sei unabhängig von diesen Änderungen aufgrund gestiegener Rohstoff- und Produktionskosten angepasst worden. Wie zuvor ergebe ein Stick eine Tasse à 180 Milliliter - der Preis sei daher nur um vier Prozent gestiegen.
Die Verbraucherzentrale hatte Anfang September wegen der Milka-"Mogelpackung" gegen den Hersteller Mondelez Klage vor dem Landgericht Bremen eingereicht und argumentiert, dass ein "deutlicher" Hinweis auf die Reduzierung des Inhalts fehle. Die neue Nennfüllmenge des Produkts stehe nur klein auf der Vorderseite der Verpackung, sei leicht zu übersehen und werde häufig von den Verkaufskartons im Supermarktregal verdeckt. Verpackung und das Design seien identisch, die Tafel selbst sei "unmerklich rund einen Millimeter dünner geworden". Die Verbraucher würden so getäuscht.
Valet forderte am Montag erneut "klare gesetzliche Regeln": eine verpflichtende Kennzeichnung von Mengenreduktionen auf der Verpackung und gut sichtbare Hinweisschilder im Handel. Zudem müssten die Verpackungen dem Inhalt entsprechen: "Keiner kauft gern Luft - und niemand sollte für weniger Inhalt mehr bezahlen, ohne es klar zu erkennen."
Die Verbraucherzentrale Hamburg lässt jährlich online über die "Mogelpackung" des Jahres abstimmen. Im vergangenen Jahr hatten sich mehr als 32.000 Verbraucherinnen und Verbraucher beteiligt.
