Sächsische Satellitenmission: Sachsen plant eigenen Satellit - hohe Erwartungen bei Firmen

Published 1 day ago
Source: stern.de
Sächsische Satellitenmission: Sachsen plant eigenen Satellit - hohe Erwartungen bei Firmen

Sachsen strebt ins All. Eine eigene Satellitenmission soll hiesigen Unternehmen und Forschungseinrichtungen den Weg dazu ebnen. Doch wann wird "Saxon-1" im Orbit um die Erde kreisen?

Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Sachsen wollen vom Weltraumboom profitieren und einen eigenen Satelliten in den Orbit schicken. Einen Namen für die Mission gibt es schon: Saxon-1. "Insbesondere für den Mittelstand eröffnet ein eigenes „Ticket ins All“ neue Möglichkeiten zur Erprobung, Demonstration und Skalierung innovativer Technologien", erklärt Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) auf dpa-Anfrage. Das Vorhaben könne sich zu einem "technologischen Leuchtturm" entwickeln und Sachsens Fähigkeiten überregional sichtbarer machen. 

Der Bund plant in den kommenden Jahren immense Investitionen im Bereich Raumfahrt. Allein das Verteidigungsministerium will bis 2030 bis zu 35 Milliarden Euro für Raumfahrt und Weltraumsicherheit ausgeben. Der globale Markt für weltraumgestützte Anwendungen wird laut Wirtschaftsministerium bis 2040 auf rund 1,25 Billionen Euro geschätzt. Panter: "Wenn wir ein Stück vom Kuchen abbekommen wollen, müssen wir beweisen, was wir können."

Und da kommt die sächsische Satellitenmission ins Spiel. Ziel sei es, eine echte Anwendung mit entsprechender Technik aus Sachsen zu demonstrieren, erläutert Professor Andreas Knopp, der an der Universität der Bundeswehr in München lehrt. "Wir brauchen dazu 5 Millionen Euro vom Land, damit wir noch einmal dieselbe Summe beim Bund hebeln können." Zugleich bringe eine solche Mission hiesige Unternehmen zusammen. 

Saxon-1 soll 2027 in den Orbit fliegen

Im Herbst hatte das Bremer Weltraumunternehmen OHB bekanntgegeben, das Technisat-Werk im Vogtland zu übernehmen. Wurde dort bisher Unterhaltungselektronik hergestellt, sind es künftig Elektronikteile für Satelliten wie Leiterplatten, Kabelbäume und Verbindungsstücke. Auch darüber hinaus gibt es in Sachsen inzwischen etliche kleine und oftmals junge Unternehmen, die sich der Weltraumtechnik verschrieben haben. Dazu gehören etwa Neosat, Inradios und Morpheus Space in Dresden.

"Hier entsteht ein neues Ökosystem aus kleinen und mittleren Firmen", sagt Neosat-Geschäftsführer Kai-Uwe Storek. Sein Unternehmen entwickle spezielle Signalprozessoren für die Satellitenkommunikation. Um ihre Raumfahrtprodukte verkaufen zu können, müssten Unternehmen aber nachweisen, dass diese schon einmal im All mitgeflogen seien. "Das ist ein Henne-Ei-Problem." 

Saxon-1 soll Abhilfe dabei schaffen. "Wir wollen damit zeigen, was es für Fähig- und Fertigkeiten in Sachsen gibt", betont Storek. Bislang wollen sich sieben Unternehmen beteiligen. Und Storek hat auch schon den Zeitplan fest im Blick: 2027 soll der Satellit in den Orbit starten.

Finanzierungszusage des Landes steht aus

Doch bisher fehlt eine konkrete Finanzierungszusage des Landes. Die Regierung werde mögliche Förderoptionen im Falle einer weiteren Konkretisierung des Vorhabens sorgfältig prüfen, heißt es auf Nachfrage seitens des Wirtschaftsministeriums. "Eine Entscheidung über Umfang und Herkunft etwaiger Landesmittel ist bislang nicht getroffen."

Sachsen gilt als weltraumaffin. Davon zeugen etliche Sternwarten ebenso wie die Deutsche Raumfahrtausstellung im Vogtland. Und der erste Deutsche im All war mit Sigmund Jähn (1937-2019) ein Sachse. Künftig soll die Lausitz eine wichtige Rolle zur Erforschung des Universums spielen: Dort wird das Deutsche Zentrum für Astrophysik als Großforschungszentrum aufgebaut. Auch hofft der Freistaat, Standort für das Einstein-Teleskop zu werden - ein unterirdisches Observatorium, das Gravitationswellen aus dem All messen und auswerten soll. 

Die Luft- und Raumfahrtindustrie im Freistaat erwirtschaftet laut Wirtschaftsministerium mit mehr als 7.000 Beschäftigten etwa 1,4 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Zur Branche werden rund 160 Unternehmen gerechnet. Einzelne Daten speziell zur Raumfahrt liegen den Angaben zufolge nicht vor.

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