Begehrte Rohstoffe: Remloy: Recycling verringert Abhängigkeit bei seltenen Erden

Published 23 hours ago
Source: stern.de
Begehrte Rohstoffe: Remloy: Recycling verringert Abhängigkeit bei seltenen Erden

Die Anlage der Heraeus-Tochter in Bitterfeld gewinnt begehrte Rohstoffe aus alten Magneten. Warum Wiederverwertung laut Remloy-Chef Bender zur "Versicherung" für die Industrie werden kann.

Vor knapp zwei Jahren hat der hessische Technologiekonzern Heraeus in Sachsen-Anhalt eine Anlage in Betrieb genommen, die wertvolle Rohstoffe recycelt. Aus ausgedienten Hochleistungs-Magneten, die beispielsweise aus Elektroantrieben und Windkraftturbinen stammen, gewinnt die Konzerntochter Remloy dort seltene Erden.

Wer in diesem wichtigen Rohstoff-Bereich seine Abhängigkeiten reduzieren möchte, sollte Recycling in die Strategie einbeziehen, sagt Co-Chef David Bender. "Schon in den letzten Monaten hat sich eindrucksvoll gezeigt, dass es in Zukunft nicht mehr darum gehen wird, wer die günstigsten Lieferketten hat, sondern die resilientesten. Denn viele Unternehmen konnten aufgrund von Engpässen und geopolitischen Einflüssen nicht mehr produzieren." Recycling sei daher auch als "Versicherung" zu verstehen und eine schnelle und günstige Weise, um Abhängigkeiten zu reduzieren, fügte er hinzu.

Große Abhängigkeit von China

China hatte im vergangenen April im Handelsstreit mit den USA Exportkontrollen gegen sieben seltene Erden und daraus gefertigte Magnete erlassen. In Europa ging die Angst vor Produktionsstopps um, denn die Branchen wie die Autoindustrie sind ebenso wie Hightech- und Rüstungsfirmen auf die Produkte angewiesen. 

Forderung nach politischen Maßnahmen

Seit April habe sich die Stimmung in der Industrie geändert, berichtet der Remloy-Chef. "Die Anfragen nehmen deutlich zu, und die Hersteller sind zunehmend nervös. Limitierender Faktor bleibt jedoch der Preis." Daher seien politische Maßnahmen notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit in Europa zu sichern. "Wir sprechen über verpflichtende Quoten für europäisches Material oder Exportstopps von alten Magneten", betont Bender.

Europa benötige aktuell ungefähr 20.000 Tonnen Magnetmaterial jährlich, sagte der Unternehmenschef. Weitere 20.000 Tonnen seien bereits in importierten Produkten verbaut. Bis 2030 wäre es seiner Einschätzung nach möglich, bis zu 3.000 bis 5.000 Tonnen Magnetmaterial durch Recycling in Europa herzustellen.

"Das werden wir jedoch nicht allein können", sagt der Remloy-Chef. Nötig seien weitere Marktteilnehmer sowie Investitionswillen. "Das wird es jedoch im großen Stil erst geben, wenn politische Maßnahmen einen funktionierenden Markt für seltene Erden in Europa ermöglichen."

Starke Abhängigkeit von China

Deutschland ist bei der Versorgung mit seltenen Erden stark von China abhängig. Im Jahr 2024 kamen laut Statistischem Bundesamt 65,5 Prozent der deutschen Importe dieser wichtigen Rohstoffe aus der Volksrepublik. Bei einzelnen Stoffen wie Neodym, Praseodym und Samarium, die unter anderem für Dauermagnete in Elektromotoren verwendet werden, ist die Abhängigkeit noch größer - sie wurden 2024 nahezu vollständig aus China importiert. Anfang Dezember hatte Chinas Handelsministerium im Streit um Exportkontrollen auf seltene Erden gelockerte Regeln für die Ausfuhr der begehrten Rohstoffe angedeutet.

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