Menschenrechtsgruppen: Mindestens vier weitere Tote bei Protesten im Iran

Published 1 day ago
Source: stern.de
Menschenrechtsgruppen: Mindestens vier weitere Tote bei Protesten im Iran

Bei den anhaltenden Protesten im Iran sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen am Samstag mindestens vier weitere Menschen getötet worden. Mitglieder der Revolutionsgarden hätten in Malekschahi im Westen des Irans auf Demonstranten geschossen und dabei mindestens vier kurdische Iraner getötet, berichtete die Menschenrechtsgruppe Hengaw am Samstag. Dutzende weitere Menschen seien verletzt worden.

Auch die in Norwegen ansässige Organisation Iran Human Rights (IHR) meldete mindestens vier Tote und 30 Verletzte, die von "Sicherheitskräften attackiert" worden seien. 

Zuvor hatte die iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtet, bei "Zusammenstößen" in Malekschahi sei ein Mitglied der Revolutionsgarden "bei der Verteidigung der Sicherheit des Landes getötet" worden. Die Nachrichtenagentur meldete zudem den Tod eines Mitglieds der paramilitärischen Basidsch-Miliz bei einer Demonstration "durch Messerstiche und Schüsse". 

Malekschahi ist ein Landkreis im Westen des Iran mit etwa 20.000 Einwohnern. In dem Gebiet leben viele kurdische Iraner. Der Nachrichtenagentur Fars zufolge versuchten "Randalierer", in eine Polizeistation einzudringen, wobei "zwei Angreifer getötet" worden seien.

Der Iran wird seit einer Woche von landesweiten Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage erschüttert. Zunächst demonstrierten vor allem Händler in Teheran, später schlossen sich auch Studierende in zahlreichen Städten der Protestbewegung an. Seit Mittwoch wurden den Behörden zufolge bei Zusammenstößen mindestens zwölf Menschen getötet, darunter auch Angehörige der Sicherheitskräfte.

Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, bezeichnete die wirtschaftlichen Forderungen der Demonstranten am Samstag als "berechtigt". Zugleich warnte er die "Aufrührer". Diese müssten "in die Schranken verwiesen werden", sagte er in einer Rede.

Das Ausmaß der Proteste erreichte bisher nicht das der Massendemonstrationen von 2022, die durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam ausgelöst worden waren. Während jener Proteste waren hunderte Menschen, darunter dutzende Sicherheitskräfte, getötet worden. Tausende Menschen wurden inhaftiert. Mehrere der Festgenommenen wurden hingerichtet. 

Laut der UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte im Iran, Mai Sato, deuteten Berichte auf "eine zunehmende Konfrontation zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften" hin. Sato warnte davor, dass sich die gewaltsame Niederschlagung der Proteste von 2022 "nicht wiederholen" dürfe. 

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