Schweizer Justiz ermittelt nach tödlicher Brandkatastrophe gegen Bar-Betreiber

Published 1 day ago
Source: stern.de
Schweizer Justiz ermittelt nach tödlicher Brandkatastrophe gegen Bar-Betreiber

Nach der tödlichen Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana ermittelt die Justiz gegen die Betreiber der Bar "Le Constellation", in der das Feuer in der Silvesternacht ausgebrochen war. Die ersten Untersuchungen hätten "zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen die beiden Betreiber des Lokals geführt", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis am Samstag mit. Derweil wurden erste Todesopfer des Unglücks identifiziert.

Gegen die Bar-Betreiber werde wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässiger Brandstiftung ermittelt, erklärten die Ermittlungsbehörden. Den Ermittlern zufolge wurde die Feuersbrunst offenbar durch Feuerwerksfontänen ausgelöst, die an Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke gehalten wurden. 

Das Feuer war in der Silvesternacht ausgebrochen, als zahlreiche junge Menschen in der Bar "Le Constellation" ins neue Jahr feierten. 40 Menschen kamen ums Leben, 119 weitere wurden verletzt. Bis Samstag wurden die ersten vier Todesopfer identifiziert und ihren Angehörigen übergeben. Laut Polizei handelt es sich um die sterblichen Überreste von zwei weiblichen und zwei männlichen Opfern im Alter zwischen 16 und 21 Jahren aus der Schweiz. Andere Familien bangen noch immer um ihre vermissten Kinder.

Auch einige Verletzte waren noch nicht identifiziert. Viele Opfer erlitten schwerste Brandverletzungen, die in Spezialkliniken behandelt werden müssen. Nach jüngsten Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) übernahm Deutschland insgesamt elf Schwerverletzte aus der Schweiz zur medizinischen Behandlung. Derzeit seien keine weiteren Verlegungen nach Deutschland geplant, erklärte die Behörde am Samstag.

Im Zentrum des Skiorts versammelten sich am Samstag immer wieder Menschen nahe des Unglücksorts und legten Blumen, Briefe, Kerzen und Plüschtiere als Zeichen der Anteilnahme für die Opfer und ihre Familien nieder. Der Schock über die "unermessliche Tragödie" sitze tief, sagte der Schweizer Justizminister Beat Jans sagte bei einem Besuch am Unglücksort. Die Justiz werde alles tun, um die Verantwortung für die Katastrophe zu klären. 

Der für die Gesundheitspolitik in der italienischen Region Lombardei verantwortliche Guido Bertolaso schilderte die Schwierigkeiten bei der Identifizierung von Schwerbrandverletzten: "Warum können wir sie nicht identifizieren? Weil ihre Gesichter vollständig verbunden sind. Wir können die Bandagen nicht entfernen, um sie zu erkennen. Sie sind intubiert und können deshalb nicht sprechen."

Für die Opfer sind in den kommenden Tagen mehrere Gedenkfeiern geplant. Im Internet boten unterdessen zahlreiche Menschen den Familien der Opfer sowie Mitgliedern der Rettungskräfte Unterkünfte oder andere Unterstützung an.

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