Nicolás Maduro regiert Venezuela seit 2013 mit harter Hand. Nun hat Donald Trump ihn spektakulär entführen lassen – offiziell, weil er ihn für einen Drogenhändler hält.
Mitten in der Nacht erschüttern heftige Explosionen Caracas. Die USA greifen Venezuela an. Kurz darauf meldet sich US-Präsident Donald Trump zu Wort: Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sei gefangen genommen und außer Landes gebracht worden. Es ist eine Aktion wie aus einem Hollywoodfilm, durchgeführt von Spezialkräften des US-Militärs.
Noch vor wenigen Tagen hatte Trump gesagt, die Tage von Venezuelas Staatschef Maduro seien "gezählt". Nun hat er seine Drohung offenbar wahr gemacht. Nachdem er zuletzt massiv Militär vor Venezuela aufgefahren hat, gab er grünes Licht für eine gezielte Militäroperation gegen Maduro.
Warum greift USA Venezuela an?
Venezuela ist schon länger im Visier der US-Regierung. Die Trump-Administration wirft dem südamerikanischen Land vor, den Drogenschmuggel in die USA zu fördern und damit eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten und ihre Bürger darzustellen. In den vergangenen Monaten ließ Trump wiederholt Boote vermeintlicher Drogenschmuggler vor der Küste Venezuelas bombardieren.
US-Justizministerin Pam Bondi kündigte am Samstag an, Staatschef Nicolás Maduro wegen Vorwürfen des Drogenhandels und des Terrorismus vor Gericht zu stellen. Maduro und seine Ehefrau seien angeklagt und würden bald mit "dem ganzen Zorn der amerikanischen Justiz auf amerikanischem Boden in amerikanischen Gerichten konfrontiert werden".
Kritiker bezeichneten die Angriffe auf die Boote, bei denen zahlreiche Menschen starben, als außergerichtliche Hinrichtungen und völkerrechtswidrig. Zudem sehen viele Experten Venezuela nicht als Hauptakteur des internationalen Drogenhandels. Das Land gilt als Transitland, aber nicht als bedeutender Produzent von Drogen.
Maduro hat eine Verwicklung seiner Regierung in Drogengeschäfte stets bestritten. Er betont, dass die USA es in Wahrheit auf Venezuelas Öl und Bodenschätze abgesehen hätten. Venezuela verfügt über die größten bekannten Erdöl-Vorkommen der Welt. Bis vor 20 Jahren war Venezuela auch der wichtigste Öllieferant der Vereinigten Staaten. Über Jahrzehnte waren US-Firmen maßgeblich an der Förderung des venezolanischen Öls beteiligt.
Doch schon unter Maduros Vorgänger Hugo Chávez änderte sich die Lage grundlegend: Der Sozialist regierte von 1999 bis zu seinem Tod 2013. Er verstaatlichte die Ölindustrie und einteignete US-Firmen, woraufhin die USA Venezuela mit harten Sanktionen belegten. Zuletzt ließ auch Donald Trump venezolanische Öltanker blockieren und forderte "unser Öl" zurück.
Wer ist Nicolás Maduro?
Nicolás Maduro ist der Wunschnachfolger von Hugo Chávez. Nach dem Tod von Chávez wurde Maduro 2013 mit knappem Vorsprung zum Präsidenten gewählt. Seitdem hat er die Macht nicht mehr abgegeben – und regiert mit autoritärer Hand. Ihm werden Wahlfälschung, Korruption und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.
Maduro wurde am 23. November 1962 als Sohn eines Gewerkschaftsführers in eine Arbeiterfamilie geboren. Er arbeitete als Busfahrer und gründete eine Gewerkschaft für Beschäftigte im öffentlichen Personennahverkehr. Als Hugo Chávez 1992 nach einem gescheiterten Putsch ins Gefängnis kam, setzte er sich für dessen Freilassung ein und wurde ein überzeugter Anhänger. Nach der Wahl von Chávez im Jahr 1998 zog er ins Parlament ein.
Maduro stieg zum Präsidenten der Nationalversammlung und später zum Außenminister und Vizepräsidenten auf. Nach Maduros Wahl zum Staatschef 2013 erlebte das Land einen dramatischen wirtschaftlichen Zusammenbruch, der von Hyperinflation und chronischer Knappheit geprägt war. Seine Herrschaft wurde bekannt für mutmaßlich manipulierte Wahlen, Nahrungsmittelknappheit und Menschenrechtsverletzungen, einschließlich des harten Vorgehens gegen Proteste in den Jahren 2014 und 2017. Millionen Venezolaner wanderten aus.
Seine Regierung wurde von den USA und anderen Mächten mit weitreichenden Sanktionen belegt. Im Jahr 2020 klagte Washington ihn wegen Korruption und anderer Vergehen an. Maduro wies die Vorwürfe zurück. Im Januar 2025 wurde Maduro für eine dritte Amtszeit vereidigt. Die vorangegangene Wahl im Jahr 2024 wurde von internationalen Beobachtern und der Opposition weithin als betrügerisch verurteilt. Tausende Menschen, die gegen die Verkündung des Wahlsiegs protestierten, wurden inhaftiert.
Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen stellte im vergangenen Monat fest, dass die Nationalgarde des Landes über mehr als ein Jahrzehnt hinweg schwere Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat. Ziel seien politische Gegner gewesen, wobei die Täter oft straffrei ausgingen. Die repressiven Maßnahmen seiner Regierung wurden durch die Verleihung des Friedensnobelpreises 2025 an Oppositionsführerin Maria Corina Machado unterstrichen.
