Silvesterunglück in der Schweiz: "Flashover" könnte in Crans-Montana Dutzende Menschen getötet haben

Published 2 hours ago
Source: stern.de
Silvesterunglück in der Schweiz: "Flashover" könnte in Crans-Montana Dutzende Menschen getötet haben

Ein Feuer in einer Schweizer Bar kostet 40 Menschen das Leben. Warum konnten so viele nicht mehr rechtzeitig flüchten? Die Schweizer Behörden haben eine Theorie.

Nach dem Vorfall in einer Bar im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana, bei dem 40 Menschen starben, ist die Ursache weiterhin unklar. Doch es kursiert eine Theorie, warum so viele Menschen das Unglück nicht überlebt haben: Die Kantonsregierung des Wallis vermutet einen "Flashover". 

"In der Silvesternacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar 2026 kam es in der Bar "Le Constellation" in Crans-Montana infolge eines Brandes zu einem Flashover, der eine oder mehrere Explosionen zur Folge hatte und zahlreiche Tote und Verletzte forderte", hieß es in der Mitteilung des Staatsrats (der Regierung des Kantons). 

Eine Quelle für dieses These nannte sie allerdings nicht. Die ermittelnde Staatsanwältin Beatrice Pilloud sagte später lediglich, der gesamte Raum habe Feuer gefangen und das habe zu einer Explosion geführt.

Was ist ein Flashover?

Die Brandschutzsachverständige Sandra Barz erklärte im ARD-"Brennpunkt" das Phänomen "Flashover" als ein "kleines Brandereignis", das die Hitze an die Umgebungstemperatur abgebe – dann sammele sich unter der Decke die Hitze. Dieser Wärmestau werde heißer und heißer. Alle brennbaren Materialien in dem betroffenen Raum würden dann irgendwann chemisch zersetzt und bildeten bestimmte Gase. 

"Und bei dem richtigen Mischungsverhältnis und bei einer immer höher werdenden Temperatur ist das eine Durchzündung, eine Feuerwalze, die komplett alles gleichzeitig in Brand nimmt, ohne dass es durch eine Flamme berührt wird."

Menschen ohne Schutzkleidung konnten nicht überleben

Im Zuge eines "Flashovers" erfolgt nach Darstellung von Barz ein Temperaturanstieg innerhalb von geringer Zeit, auf etwa 1.000 bis 1.200 Grad. Zusätzlich falle der Sauerstoffgehalt auf unter vier Prozent. Sie betonte: "Das heißt, unser menschlicher Körper ist dafür nicht gemacht." Selbst für Feuerwehrleute stelle das eine schwierige Situation dar. Für Menschen ohne Schutzkleidung sei sie nicht zu überleben.

In Deutschland gebe es "sehr gute Brandschutzvorschriften", etwa bestimmte Anforderungen an Baustoffe. "Aber natürlich ist die Umsetzung und auch die Handhabung immer das A und O: Wie gehen die einzelnen Personen damit um? Deshalb, es kann leider auch hier dazu kommen", stellte Barz klar.

Die Schweiz kämpft mit und für ihre Verletzten

Bei dem Vorfall in der Silvesternacht hatte es neben Todesopfern und mehr als 110 Verletzte mit teils lebensgefährlichen Verbrennungen gegeben. In der Universitätsklinik Lausanne wurden allein etwa 13 erwachsene und 8 minderjährige Brandverletzte aufgenommen, "deren Körperoberfläche zu mehr als 60 Prozent verbrannt ist", wie der Chefarzt des Spitals Morges, Wassim Rafoul, dem Sender RTS sagte.

Es handle sich um sehr schwere Verletzungen, deren Behandlung sehr lange dauern werde. Hinzu könne kommen, dass die Verletzten auch Rauchgasvergiftungen, Quetschungen sowie Knochenbrüche durch das Gedränge erlitten hätten. Durch das Verbrennen von Kunststoff könnten sehr giftige Dämpfe entstanden sein. 

Je nach Schweregrad der Verbrennung – also ihrer Tiefe und ihrer Ausdehnung - ist eine Hauttransplantation erforderlich. Wenn 60 Prozent oder mehr der Hautoberfläche verbrannt sind, besteht unter anderem das Risiko eines Multiorganversagens und damit Lebensgefahr. 

Der französische Präsident Emmanuel Macron teilte auf der Plattform X mit, Frankreich nehme Verletzte in seinen Krankenhäusern auf und stehe für jede Hilfe zur Verfügung. Verletzte wurden Berichten zufolge bereits nach Paris und Lyon gebracht. Daneben haben auch Schweden und Nordmazedonien ihre Hilfe angeboten. 

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