"Tatort" aus Dresden: "Wir haben Essen, Trinken, Pillen. Keiner tut uns weh"

Published 2 hours ago
Source: stern.de
"Tatort" aus Dresden: "Wir haben Essen, Trinken, Pillen. Keiner tut uns weh"

Im "Tatort" aus Dresden greift die Polizei eine verwahrloste Jugendliche auf, die angibt, von ihrem Vater im Keller festgehalten zu werden. Doch etwas scheint nicht zu stimmen.

  • 4 von 5 Punkten
  • spannender Fall, der an Natascha Kampusch erinnert

Worum geht's in diesem "Tatort"?

Die 16-jährige Amanda (Emilie Neumeister) wird nachts verwirrt und verletzt mitten in Dresdens Innenstadt aufgefunden. Sie hat ein blutiges Skalpell bei sich und wiederholt immer wieder aufgelöst, ihr Vater würde sie verfolgen. Bei der Polizei-Befragung fleht sie Kommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) um Hilfe an: Sie sei eingesperrt in einem Keller aufgewachsen. Ihr Vater lasse sie hungern, wenn sie nicht artig sei. Und noch immer sei ihre Schwester im Verlies gefangen, ohne Nahrung.

Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach) zweifelt die Geschichte der jungen Frau an, ebenso wie die erfahrene Psychologin der Jugendanstalt, in der Amanda untergebracht wird. Leo Winkler glaubt ihr, obwohl Amanda sie angreift – doch dann deutet alles daraufhin, dass Amanda einen Mord begangen hat. Und dieser Keller und die Schwester, über die Amanda spricht, sind einfach nicht zu finden. Oder doch?

Warum lohnt sich der Fall "Nachtschatten"?

Der Fall erzählt von psychologischen Grausamkeiten: Amanda berichtet von ihrem Vater, der sie und die Schwester per Video überwache, hungern lasse und im Dunklen einsperre – alles unter dem Vorwand, sie zu schützen. "Die Welt draußen ist böse", so sei es ihr eingeschärft worden. Und: "Über Familie redet man nicht schlecht." Amanda hat das Eingesperrtsein so verinnerlicht, dass sie kaum in der Außenwelt klarkommt. Das trifft auch auf die Jugendlichen in der Anstalt zu. "Hier drin sind wir sicher. Wir haben Essen, Trinken, Pillen. Keiner tut uns weh", sagt eine von ihnen. Emilie Neumeister spielt die ambivalente, psychisch stark manipulierte Amanda überzeugend.

Was stört?

"Tatort"-Fans kennen die alte Krimi-Regel: Der bekannteste Gaststar ist meist der Mörder. Das nimmt hier einiges an Spannung, auch wenn der Film noch mit einigen Wendungen aufwartet.

Die Kommissare?

Leo Winkler ist seit dem Weggang ihrer Kollegin Gorniak einsam. Daran erinnert sie nicht nur der flirtende Staatsanwalt (Timur Isik), auch ihr Chef Schnabel scheint sich fast um sie zu sorgen. Bei Amanda folgt sie ihrem Instinkt, gewinnt das Vertrauen des Mädchens und wagt am Ende einen riskanten Alleingang. Und trotzdem: Es fehlt jemand im Kommissariat. Ein neues Gesicht im Team würde dem Dresden-"Tatort" guttun.

Ein- oder ausschalten?

Einschalten. Dieser "Tatort" lohnt sich wegen der sehr guten schauspielerischen Leistungen und des psychologischen Grauens, das er transportiert.

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