Sicherheit im Norden: Hunderte Drohnensichtungen 2025 im Norden

Published 1 hour ago
Source: stern.de
Sicherheit im Norden: Hunderte Drohnensichtungen 2025 im Norden

Das BKA registrierte 2025 immer häufiger verdächtige Drohnensichtungen in Deutschland. Auch in den norddeutschen Bundesländern gab es Flüge über militärische Einrichtungen und Häfen.

Bundesweit wurden laut Bundeskriminalamt zuletzt immer wieder verdächtige Drohnensichtungen registriert. In den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen gab es verstärkte Drohnenaktivitäten insbesondere über Industrieanlagen, Häfen und Energieinfrastruktur. Die Zahl der verdächtigen Sichtungen steigt auch in Norddeutschland.

Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein gab es 2025 bis Mitte Dezember "141 gemeldete mutmaßliche Drohnensichtungen", teilte ein Sprecher des Innenministeriums der Deutschen Presse-Agentur mit. Die genauen Orte und Daten dieser Sichtungen wollte er mit Hinweis auf die laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungen und des "besonders sensiblen Ermittlungsbereichs" nicht nennen. 

Die Landespolizei sei sehr gut auf den Umgang mit handelsüblichen Drohnen vorbereitet. "Angesichts der neuen Bedrohungslage stärken wir konsequent die Abwehrfähigkeiten der Landespolizei Schleswig-Holstein", teilte der Sprecher mit. Geräte zur Drohnenabwehr habe die Landespolizei demnach bereits im Laufe der Jahre 2024 und 2025 angeschafft. 

Für 2026 wurden demnach weitere Haushaltsmittel für die Beschaffung von Drohnendetektions- und Abwehrtechnik veranschlagt. Die Landespolizei Schleswig-Holstein habe ein Drohnenkonzept erstellt.

"Die Stärkung der Inneren Sicherheit und der Schutz der kritischen Infrastruktur ist eines der zentralen Anliegen der Landesregierung", teilte Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke (CDU) mit. Das nördlichste Bundesland habe sich ihren Angaben zufolge "frühzeitig als eines der ersten Länder dieser Herausforderung gestellt, sich konzeptionell vorbereitet und rund sieben Millionen Euro in die Drohnenabwehr investiert." Dafür soll laut Finke auch zusätzliches Personal eingestellt werden.

Mecklenburg-Vorpommern

Für 2025 sind bis zum 22. Oktober 2025 in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 179 "Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem Betrieb von ULS/Flugmodellen polizeilich registriert worden", teilte eine Sprecherin des Innenministeriums in Schwerin der dpa mit. 

Insgesamt 20 Sachverhalte davon waren demnach im Sinne der bundesweiten Meldeverpflichtungen meldepflichtig: Die meisten Vorkommnisse habe es mit 14 Fällen über militärischen Anlagen gegeben, über Industrieanlagen, Einrichtungen der Kritischen Infrastruktur (KRITIS) sowie über Einrichtungen der Justiz und Polizei waren es je zwei meldepflichtige Sichtungen. 

"Mitteilungen über Sichtungen erfolgen über Privatpersonen, Mitarbeitende der Bundeswehr, sowie Unternehmer und Betreiber Kritischer Infrastruktur als auch durch Eigenfeststellungen der Polizei", teilte die Sprecherin mit. 

Die Polizeibehörden melden alle Sichtungen dem Landeskriminalamt (LKA). Zudem werde die zuständige oberste Luftverkehrsbehörde im Wirtschafts-/Verkehrsministerium über jede Sichtung informiert. In sechs Fällen wurde laut Ministerium der Drohnenpilot vor Ort angetroffen und die Personalien wurden festgestellt. 

Niedersachsen

Bis Mitte Dezember gab es in Niedersachsen 409 mutmaßliche Drohnen-Vorfälle, die von der Polizei aufgenommen wurden, wie das Innenministerium mitteilte. Damit hat sich der Wert aus dem gesamten Vorjahr mehr als verdreifacht. Teilweise seien die Drohnen auch in der Nähe von kritischer Infrastruktur oder militärischen Einrichtungen gesichtet worden. Detaillierte Angaben zu den Vorkommnissen macht das Ministerium nicht, um Ermittlungen zu schützen.

Ob es sich dabei jedes Mal tatsächlich um Drohnen handelte - und um welches Modell - ist nicht immer klar. Konkret spricht das Ministerium von "registrierten Drohnenüberflügen" oder "Vorkommnissen mit auffälligen Positionslichtern". Auch der Pilot oder die Pilotin seien oft nicht bekannt, da Drohnen inzwischen auch aus großer Entfernung gesteuert werden könnten.

Generell gebe es derzeit vielfältige Bedrohungen in Deutschland und auch in Niedersachsen, sagte Innenministerin Daniela Behrens (SPD). Dazu gehörten Sabotage, Spionage, Falschinformationen und eben auch zunehmend Sichtungen von Drohnen. "Diese Vorfälle stellen unsere Sicherheitsbehörden vor große Herausforderungen." Niedersachsen investiere daher im kommenden Jahr sieben Millionen Euro in die Drohnenabwehr. Auch das neue Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern, das im Januar starten soll, sei hilfreich. Weiter brauche es ein bundesweites Lagebild zu den unterschiedlichen sogenannten hybriden Bedrohungen.

Hamburg

Die Verwendung von unbemannten Luftfahrtsystemen (ULS) - umgangssprachlich als Drohnen bezeichnet - nimmt sowohl zur privaten als auch gewerblichen Nutzung stetig zu, teilte ein Sprecher der Hamburger Polizei der dpa mit. 

Angaben zur Zahl der Drohnen-Überflüge, "die nicht klassifiziert sind und die über Gebiete fliegen, in denen dies nicht zulässig ist (z.B. kritische Infrastruktur) und deshalb unter den Verdacht von Spionage- oder Sabotagetätigkeiten fallen", können allerdings auch aus einsatz- und ermittlungstaktischen Gründen nicht mitgeteilt werden. Entsprechende Verdachtsmomente werden an das BKA übermittelt. 

Die Polizei prüfe, "ob es sich um einen sicherheitsrelevanten ULS-Einsatz oder um einen zulässigen Gebrauch handelt". Zuständig für die Abwehr von Gefahrenlagen durch Drohnen sei in Hamburg die Polizei sowie an Flughäfen die Bundespolizei. 

Um insbesondere die Drohnenabwehr für den Hamburger Hafen zu stärken, haben Polizei Hamburg, Hamburg Port Authority (HPA) und Rheinmetall eine enge Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung der Drohnendetektion und -abwehr vereinbart, teilte der Polizeisprecher mit. Der Hafen habe als "größter Seehafen Deutschlands eine enorme Versorgungsrelevanz für unser Land". Ziel sei die Entwicklung von Technologien, um die maritime, zivile und kritische Infrastruktur zu schützen.

Bremen

Auch im Land Bremen gibt es "teils mehrfach in der Woche entsprechende Sichtungen" von Drohnen, wie das Innenressort mitteilte. Einige von ihnen seien technisch so verändert, dass sie von Erkennungssystemen nicht erfasst würden. In diesen Fällen liege es nahe, dass die Drohnen von anderen Staaten betrieben werden. Konkrete Details nennt aber auch das Land Bremen nicht. Nur selten könnten die Piloten oder Pilotinnen ausfindig gemacht werden. 

Drohnen würden immer leistungsfähiger und seien benutzerfreundlich. Sie seien daher ein "geeignetes Tatmittel zur Ausspähung oder Durchführung von Sabotagehandlungen". Es gebe aber auch weiterhin Fälle, in denen private Drohnenpiloten unabsichtlich unauffällig würden.

BKA: Über 1.000 Drohnenflüge 2025

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat 2025 bis Anfang Dezember eine vierstellige Zahl an verdächtigen Drohnenflügen erfasst. "Wir führen seit Anfang des Jahres ein sogenanntes Lagebild mit allen Daten von Verdachtsfällen, beziehen auch die Bundeswehr mit ein: In diesem Jahr wurden schon über 1.000 verdächtige Drohnenflüge gemeldet", sagte BKA-Präsident Holger Münch zuletzt der "Bild"-Zeitung.

Das BKA erhebt seit Januar 2025 Fallzahlen zu Drohnenüberflügen über den Standorten Kritischer Infrastruktur, militärischen Einrichtungen und Rüstungsunternehmen, die einen Bezug zur politisch motivierten Kriminalität (PMK) vermuten lassen, teilte ein Sprecher des Bundeskriminalamts der dpa mit. Zuletzt sei es vermehrt zu Drohnensichtungen über diesen Einrichtungen gekommen. 

Drohnensichtungen können laut BKA-Sprecher auch zur Verunsicherung der Bevölkerung beitragen. Die jeweils zuständigen Behörden in Bund und Ländern übermitteln diese Sachverhalte demnach an das BKA.

Küstenländer bündeln ihre Kräfte

Angesichts zunehmender Drohnensichtungen wollen die norddeutschen Küstenländer ihre Abwehrfähigkeiten besser bündeln. Die Innenministerinnen und -minister sowie Innensenatoren von Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen trafen sich im November mit Vertretern der Bundeswehr, der Wissenschaft und der Wirtschaft in Hamburg zum neuen "Norddeutschen Kompetenzcluster Drohnenabwehr". Ziel sei es, die Zusammenarbeit zwischen den fünf Küstenländern im Kampf gegen potenziell gefährliche Drohnenflüge zu stärken.

Zudem hatten Bund und Länder im Dezember in Berlin ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) eingeweiht, um unerlaubt fliegende Drohnen besser zu erkennen und unschädlich machen zu können. Der Arbeitsbetrieb soll im Januar aufgenommen werden.

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