Howard Carpendale, der am 14. Januar seinen 80. Geburtstag feiert, steht vor einem ereignisreichen Jahr. Macht der Erfolg gar nicht müde?
Howard Carpendale ist aus der Schlagerwelt nicht wegzudenken. Auch wenn er sich mehr "als Entertainer, nicht als Schlagersänger" sieht, wie er 2016 dem "Spiegel" erklärte. Der deutsch-südafrikanische Musiker, der am 14. Januar 80 Jahre alt wird, begeistert so oder so seine Fans. Öffentlichkeitsmüdigkeit scheint bei Carpendale nicht aufzukommen - auch wenn bald ein Schritt zurück ansteht.
Profisport oder doch die Musikkarriere?
Der 1946 im südafrikanischen Durban geborene Sänger hat sich früh zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickelt. "Ich habe quasi ab dem zwölften Lebensjahr mein eigenes Leben gelebt und gemacht, was ich wollte, weil meine Eltern beide viel gearbeitet haben und wenig Zeit hatten", sagte Carpendale dem Magazin. "Aber sie haben mir vertraut. Das war eine tolle Zeit." Dem Wunsch nach einem Leben als Profisportler oder Sänger ging er zunächst in England nach, doch die Station brachte nicht den erhofften Erfolg.
Deutschland war zwar anfangs laut eigener Aussage nicht das Land seiner Träume, doch nach ersten Auftritten in Düsseldorf und Norddeich sollte hier der große Erfolg auf ihn warten. Nach dem ersten Plattenvertrag 1966 schuf er in den Folgejahren Hits wie die Coverversion des Beatles-Songs "Ob-La-Di, Ob-La-Da" oder "Das schöne Mädchen von Seite Eins". Zu seinen größten Erfolgen zählen zudem die Klassiker "Ti amo" (1977) und "Hello Again" (1984). Nach über 700 Aufnahmen, 20 Top−10-Alben und insgesamt weit über 65 Millionen verkauften Tonträgern steht er heute noch auf der Bühne.
Immer wieder "Hello Again"
Mit vollem Haar und seinem charmanten Akzent begeistert er seine Anhänger, die ihrem "Howie", ein von Carpendale selbst ungeliebter Spitzname, die Stange halten. "Das Geheimnis einer langen Karriere sind nicht die Haare, sondern dass man sich als sogenannter Star nicht zu ernst nimmt", sagte er im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Anfang Dezember 2025. "Ich habe mich immer über meine Erfolge gefreut, aber nie fürs Berühmtsein gelebt. Ich wusste, dass es jederzeit vorbei sein kann, und vielleicht ist es gerade deshalb immer weitergegangen." Dass sein Akzent ein gewolltes Markenzeichen ist, weist der Musiker zurück. "Kennen Sie irgendwen, der nicht aus Deutschland kommt und vollkommen akzentfrei Deutsch spricht? [...] Der Gedanke, dass ich das extra pflege, ist Quatsch", betonte er im "Spiegel"-Gespräch.
Sein Songtitel "Hello Again" ist zu seinem eigentlichen Markenzeichen geworden, wenn auch anfangs unfreiwillig. "Alle reden immer von meinen Comebacks. Dabei habe ich mich genau einmal verabschiedet. Einmal", betonte der Musiker im vergangenen September in einem Instagram-Clip. "Aber anscheinend reicht das - und zack bist du bis in alle Ewigkeit der Mann fürs nächste Comeback. Sagen wir's doch lieber so: Ich bin einfach verdammt schlecht im Tschüss sagen." Eigentlich mache fast jeder irgendwann ein Comeback, "ich habe meines vielleicht zu sehr propagiert. 2003 habe ich aufgehört und 2007 bin ich zurückgekommen. Das ist das einzige Mal [...] Ich sollte das auf meinen Grabstein schreiben lassen: Vielleicht komme ich wieder."
Neues Album, Abschiedstournee und Zugabe
Mittlerweile spielt er selbst längst damit. Seine Alben hören auf Titel wie "Let's Do It Again", "Let's Do It Again, Again!" oder zuletzt sein Weihnachtsalbum "Happy Christmas... Again!". Auf Instagram hatte Carpendale im Oktober 2024 bekannt gegeben, seine im Frühjahr 2024 begonnene "Let's Do It Again!"-Tournee fortzusetzen. Die angekündigte Tour "Let's Do It Again, Again!" im Frühjahr 2026 markiert allerdings gleichzeitig die Abschiedstournee des beliebten Sängers. Pünktlich zu seinem 80. Geburtstag möchte Carpendale ein wenig kürzertreten. "Es wird meine letzte große Arena-Tournee", kündigte er an.
Einen endgültigen Abschied von der Bühne bedeutet das jedoch nicht. Vielmehr habe sich Carpendale entschlossen, im Alter von dann 80 Jahren sei es an der Zeit, "zumindest Tourneen in dieser Form, wo wir reisen und 20 Hallen hintereinander spielen", nicht mehr zu absolvieren. Eine "Open Air Zugabe" für den kommenden Sommer mit Terminen ab Juli steht bereits. Sein 60-jähriges Bühnenjubiläum, das bereits im September 2025 mit einem TV-Special (ZDF) gewürdigt wurde, muss schließlich gebührend zelebriert werden.
Auch ein neues Werk darf dabei nicht fehlen. Am 20. Februar veröffentlicht Carpendale das Album "Zeitlos". "20 Songs, die mich mein ganzes Leben lang begleitet haben - manche kennt ihr auswendig, andere waren fast vergessen", erklärt der Sänger dazu. "Jetzt klingen sie wieder neu - im Sound von heute, mit der Seele von damals."
Viel Licht, aber auch Schatten
Seinem runden Geburtstag, seiner Karriere und seinem Lebensweg hat Carpendale bereits Ende 2025 ein Denkmal gesetzt. In seinem Buch "Unerwartet" blickt er zurück - auch auf schwierige private Momente. Im November schrieb er bei Instagram: "Für mich war jetzt der richtige Moment, meine Geschichte selbst zu erzählen. Seit über 60 Jahren stehe ich als Entertainer auf der Bühne, und in dieser Zeit wurden unzählige Geschichten über mich geschrieben - viele schöne, einige überraschende und manche, in denen ich mich selbst kaum wiedererkannt habe." In der Biografie erzähle er seinen Weg "zum ersten Mal ganz aus meiner Perspektive: die großen Erfolge, aber auch Zweifel, Brüche und Verletzungen, über die ich lange geschwiegen habe. Nicht als Abrechnung, sondern als Einladung, den Menschen hinter dem Entertainer kennenzulernen und mich so zu sehen, wie ich mein Leben tatsächlich erlebt habe." Viele Dinge habe er vor ein paar Jahren noch nicht erzählen können. "Heute kann ich es - und genau deshalb gibt es dieses Buch jetzt." So berichtet Carpendale etwa davon, wie er von einem Bekannten seiner Eltern in Südafrika als Zehnjähriger sexuell missbraucht wurde.
Auch über die vergangene Alkoholsucht seiner Frau und die Belastung für die Beziehung berichtet er. Seit 1983 ist Carpendale mit Donnice Pierce liiert. Aus dieser Beziehung stammt Sohn Cass, der 1988 zur Welt kam. Carpendale und die US-Amerikanerin haben erst 2018 nach mehr als 30 gemeinsamen Jahren geheiratet. Im Interview mit dem Magazin "Bunte" erklärte der Sänger damals, warum sie unter anderem so lange mit der Hochzeit gewartet haben: "Donnice war alkoholkrank. Wir haben den Kampf gegen dieses Teufelszeug zusammen gewonnen, aber es hat verdammt lange gedauert. Durch dieses Gift haben wir die dunkelsten Momente im Leben kennengelernt. Aber seit zwei Jahren ist es vorbei."
Der Sänger war zuvor mit Claudia Carpendale verheiratet, mit der er den gemeinsamen Sohn Wayne hat. Der 48-Jährige ist selbst als Schauspieler und Moderator erfolgreich. Bis heute ist die Mutter seines älteren Sohnes ein wichtiger Teil seines Lebens, wie er kürzlich in einem "Spiegel"-Interview betonte. "Sie kennt mich besser, als ich mich selbst kenne. Wir telefonieren bis heute jeden Tag. Aber miteinander leben, das ginge niemals."
Ebenfalls in "Unerwartet" zur Sprache kommen Depressionen. Über seine Erkrankung berichtete der 80-Jährige bereits 2023 im Podcast "Raus aus der Depression". "Ich hatte keine Energie mehr, keine Ziele. Ich wusste gar nicht mehr, was mit mir los ist. Ich kannte das Wort Depression kaum", erinnerte sich Carpendale. Sein Sohn Wayne habe ihn schließlich zum Umdenken bewegt und in eine Klinik gebracht, in der er drei Monate blieb.
Bereits 20 Jahre vorher wurde bekannt, dass Carpendale an Multiple Sklerose leide. Im "FAZ"-Interview im vergangenen Dezember sagte er dazu: "Es gibt zwei Ärzte, die behaupten, dass ich MS habe, und es gibt ein paar andere, die sagen: Quatsch. Eigentlich glaube ich, ich habe eine milde Form, aber ob es überhaupt eine milde Form von MS gibt, wissen die Ärzte auch nicht so genau. Mittlerweile ignoriere ich das Thema einfach. Das ist mir sehr gut bekommen."
Pragmatische Gelassenheit gehört zu Carpendales DNA, was ihm auch beim Älterwerden hilft. Durch seine "etlichen Tiefpunkte" habe er sich nie viele Sorgen gemacht, sagte er im "Spiegel"-Interview. "Mich schreckt der Gedanke, dass Donnice etwas zustoßen könnte. Aber zu meinem eigenen Tod habe ich eine klare Haltung. Ich weiß, dass er jede Sekunde kommen kann [...] Keiner von uns ist so wichtig, dass die Welt lange unter seinem Tod leiden wird."
