Kiel knackt den Rekord im Güterumschlag: mehr als 7,9 Millionen Tonnen Güter und 1,1 Millionen Kreuzfahrt-Passagiere – doch der Bahnverkehr schwächelt weiter. Was steckt hinter den Problemen?
Der Güterverkehr von und ins Baltikum sowie der anhaltende Kreuzfahrt-Boom treiben das Geschäft des Seehafens Kiel. "2025 war ein gutes Jahr für den Kieler Hafen, da gibt es nur wenig zu meckern", sagte Geschäftsführer Dirk Claus. Mit einer Steigerung im Vorjahresvergleich um 4,8 Prozent auf 7,965 Millionen Tonnen gab es einen neuen Frachtrekord. Bei Passagieren gab es mit 2,7 Millionen ebenfalls ein Plus um 1,2 Prozent.
"Auch im Jahr 2026 ist die wirtschaftliche Entwicklung in Skandinavien für uns von herausragender Bedeutung", sagte Claus. "Ganz besonders optimistisch stimmt uns die starke Entwicklung ins Baltikum und die gute Entwicklung in Schweden."
Die Entwicklung am Ostuferhafen, der mit 3,9 Millionen umgeschlagenen Tonnen erneut knapp die Hälfte des Gesamtumschlags ausmacht, ist ungebrochen positiv. Auf der Route Richtung Baltikum gab es bereits das dritte Jahr in Folge Wachstum. Die Ladungsmenge stieg im Vorjahresvergleich um 8,8 Prozent auf 3,0 Millionen Tonnen.
"Die baltischen Staaten orientierten sich immer mehr in Richtung Zentraleuropa", sagte Claus. "Natürlich weg von Weißrussland, Russland seit dem Angriffskrieg, sonst aber auch stark immer Richtung Schweden und Finnland und jetzt halt dieses gute Wachstum auf dieser Linie." Von Kiel aus gibt es eine Fährverbindung nach Klaipeda in Litauen. Ein Ladungsplus gab es aber auf der Fährstrecke nach Göteborg in Schweden durch Stena Line mit plus 2,29 Prozent. Auf der Verbindung nach Oslo durch Color Line gab es dagegen ein Minus von 3,53 Prozent.
Kreuzfahrten
Zwar blieb die Zahl der Fährpassagiere mit 1,6 Millionen (minus 0,9 Prozent im Vorjahresvergleich) nahezu konstant. Im Kreuzfahrtbereich gab es dagegen ein Plus um 5,1 Prozent auf 1,11 Millionen Menschen. Im vergangenen liefen 187 Mal Kreuzfahrtschiffe Kiel an, die überwiegende Zahl nutzte den Hafenaufenthalt zum Passagierwechsel.
"Mit über einer Million Kreuzfahrtpassagieren, reibungslosen Abläufen und einer guten Nutzung des Landstroms durch die Reedereien fällt unser Fazit zur Kreuzfahrtsaison positiv aus", sagte Claus. Für Wachstum sorgen vor allem die Winterkreuzfahrten von Aida seit November. Im kommenden Winter plant Tui ebenfalls Winterkreuzfahrten von Kiel aus. Für das laufende Jahr rechnet der Hafen mit 212 Anläufen und einer weiteren Steigerung auf 1,2 Millionen Passagiere.
Immer mehr Schiffe nutzen während der Liegezeit im Hafen Landstrom anstatt der eigenen Maschine. Am Ostseekai wurde eine zweite Landstromanlage in Betrieb genommen. Claus will die Landstromquote bei Fähr- und Kreuzfahrtschiffen zusammen auf 75 Prozent erhöhen. Es gebe eine sehr hohe Akzeptanz im Fähr- und Kreuzfahrtmarkt. Der Hafen könne mittlerweile sieben Schiffe gleichzeitig damit versorgen. In den vergangenen Jahren hat der Seehafen 50 Millionen Euro in Landstromanlagen investiert.
Weitere 70 Millionen Euro will Claus bis 2028 in den Ausbau des Ostuferhafens stecken. Allein zehn bis zwölf Millionen Euro koste die notwendige Suche nach möglichen Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg. Claus will dort Hafen- und Logistikflächen erweitern und auch zwei Lkw-E-Ladestationen am Ostuferhafen und am Norwegenkai bauen lassen.
Schiene
Weiter negativ entwickelt sich der Schienenverkehr. "Der Intermodalverkehr im Kieler Hafen leidet auch im Jahr 2025 unter der Qualität und den stetig steigenden Preisen und sank auf 8.529 Einheiten", berichtete der Seehafen. 2024 waren es 13.000 Container gewesen. Vor vier Jahren waren es noch 30.000 Einheiten.
"Die wenigen Züge, die bei uns noch fahren, so muss man es formulieren, haben eine Pünktlichkeit von unter 20 Prozent oder um die 20 Prozent. Das hat sehr viele Ursachen", sagte Claus. "Auch im Einzelwagenverkehr ist es immer schwieriger, aufgrund der Zuverlässigkeit, die Ladung auf die Bahn zu transportieren." Er hoffe, den Bahnbereich durch wachsende Gütermengen wieder mehr aktivieren zu können.
