H5N1-Virus in Deutschland: Experte: Vogelgrippe-Impfung könnte Millionen Tiere retten

Published 3 hours ago
Source: stern.de
H5N1-Virus in Deutschland: Experte: Vogelgrippe-Impfung könnte Millionen Tiere retten

Millionen Tiere werden wegen der Vogelgrippe getötet. Ein Experte stellt die aktuelle Impfpraxis zur Diskussion – und sieht auch die Dichte der Ställe kritisch.

Angesichts Millionen getöteter Nutztiere im Rahmen der immer noch grassierenden Vogelgrippe in Deutschland braucht es aus Expertensicht die Diskussion über Änderungen bei der Impfpraxis. Es stelle sich die Frage, "bis zu welchem Punkt ist das ethisch eigentlich noch haltbar, dass wir große Zahlen an Tieren töten, die wir eventuell schützen können?", sagte Martin Beer, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Institutes im mecklenburg-vorpommerischen Greifswald, der Deutschen Presse-Agentur. Das nationale Referenzlabor und Forschungsinstitut für Tiergesundheit ist unter anderem für die Bestätigung von Verdachtsfällen bei Tierseuchen zuständig.

Seit dem ersten Auftreten des H5N1-Virus vor rund 20 Jahren habe es nur wenige Jahre ohne Ausbrüche gegeben, ab 2020 dann jedes Jahr. "Das Virus wird nicht verschwinden, es wird in Wellen wiederkommen", so der Fachtierarzt für Virologie. "Wir wissen nur, dass in der Regel nach einer frühen ersten Welle es etwas ruhiger wird und danach wieder eine zweite kommen kann. Also wir müssen sogar damit rechnen, dass wir noch einmal vermehrt Ausbrüche haben." 

Flächendeckendes Impfen kann Töten nicht komplett verhindern

Zwar ist die Impfung von Nutzgeflügel in der Europäischen Union erlaubt, flächendeckend angewendet wird sie aber nicht - wegen aufwendiger Kontrollpflichten und weil Betriebe mögliche Handelsbeschränkungen beim Export ihrer Waren befürchten. Ein massives Impfprogramm in Frankreich bei größeren Entenbeständen in den vergangenen Jahren habe gezeigt, dass großangelegtes Impfen erfolgreich möglich ist, so Beer. Derzeit müsse ein regelmäßig offiziell bestätigt werden, dass geimpfte Tiere auch tatsächlich gesund sind. "Es müssen zahlreiche Proben genommen werden, die ein Labor in engen Abständen untersuchen muss. Und wir reden ja nicht von zehn Hühnern, sondern eventuell von einem Betrieb mit zwei Millionen." Deshalb gebe es Gespräche auf EU-Ebene, die Regularien zu vereinfachen und künftig vornehmlich krank erscheinende oder verendete Tiere in geimpften Beständen zu untersuchen. 

Gezielt eingesetztes Impfen könnte helfen, es würde die übrigen Maßnahmen gegen eine Verbreitung von Erregern aber nicht ablösen, so FLI-Experte Beer. Das heißt auch, es würde das Töten von Tieren beim Seuchenausbruch nicht komplett verhindern können. Auch die Anzahl und Dichte an Tierhaltungsbetrieben spiele bei der Verbreitung des H5N1-Virus eine Rolle. "Was man diskutieren muss, ist wie dicht ist Geflügelhaltung denn noch sinnvoll? Es gebe Regionen in Deutschland, in denen "alle zwei-, dreihundert Meter ein Stall" mit Nutzgeflügel existiere. Das führe zu Hochrisikoregionen und mache den Infektionsschutz sehr schwierig. Hinzu komme, dass der Wunsch nach mehr Tierwohl und damit verbunden auch mehr Freilandhaltung gleichzeitig ein höheres Infektionsrisiko durch Kontakt mit Wildvögeln bedeute.

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