Bei einem russischen Luftangriff auf das Zentrum der nordostukrainischen Großstadt Charkiw sind nach Angaben der Regionalbehörden mindestens 19 Menschen verletzt worden. Unter den Verletzten sei ein sechsmonatiges Baby, teilte Gouverneur Oleg Synegubow mit. Die Menschen hätten Verletzungen durch eine Explosion sowie durch Glassplitter davongetragen.
Russland hatte am Vortag der ukrainischen Armee einen Drohnenangriff auf ein Café und ein Hotel in Chorly im russisch kontrollierten Teil der ukrainischen Region Cherson vorgeworfen. Die Zahl der Toten stieg nach Angaben des von Russland eingesetzten Gouverneurs von Cherson, Wladimir Saldo, inzwischen von 24 auf 28. Moskau drohte nach dem Angriff mit "Konsequenzen". Nach ukrainischen Angaben richtete sich dieser Angriff gegen ein Militärtreffen, zu dem Zivilisten nicht zugelassen waren.
Die ukrainischen Rettungsdienste in Charkiw teilten mit, "ein Büro- und Geschäftsgebäude und der Eingangsbereich eines angrenzenden Wohngebäudes mit vier Etagen" seien zerstört worden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte den Angriff "abscheulich". Laut den ersten Berichten hätten zwei Raketen eine "normale Wohngegend" getroffen, erklärte er. Aufnahmen der Nachrichtenagentur AFP aus Charkiw zeigten beschädigte mehrstöckige Gebäude, qualmende Trümmerhaufen und Feuerwehrleute im Einsatz.
Moskau dementierte den Angriff. Das Verteidigungsministerium erklärte im Onlinedienst Telegram, die russischen Streitkräfte hätten im Gebiet der Stadt Charkiw "weder Raketen- noch Luftangriffe geplant oder ausgeführt". Die Ukraine versuche, "die internationale Aufmerksamkeit von dem brutalen Terrorangriff" in Chorly abzulenken, erklärte das russische Ministerium.
Moskau und Kiew beschuldigen sich gegenseitig, mit fortgesetzten Angriffen die derzeitigen internationalen Verhandlungen über ein Ende des inzwischen fast vier Jahre andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zu untergraben.
