Gerichtsverhandlung: Reuß vor Gericht: "Wir wurden alle getäuscht"

Published 3 hours ago
Source: stern.de
Gerichtsverhandlung: Reuß vor Gericht: "Wir wurden alle getäuscht"

Im Gerichtssaal hat der Angeklagte Heinrich XIII. Prinz Reuß über seine Rolle in der mutmaßlichen "Reichsbürger"-Terrorgruppe gesprochen - und warum er an eine "Erdallianz" geglaubt hat.

Der Hauptangeklagte Heinrich XIII. Prinz Reuß hat im Frankfurter Prozess um die mutmaßliche "Reichsbürger"-Gruppe seine angebliche Rolle als Rädelsführer bestritten. Auch seien die Zusammenkünfte in seinem Jagdschloss in Thüringen für ihn keine "Ratstreffen" gewesen, sondern Tischrunden, sagte der 74-Jährige vor dem Frankfurter Oberlandesgericht. 

Es sei "aus heutiger Sicht unverzeihlich", solche Treffen in seinem Hause zugelassen zu haben. Auch habe er sich nicht als Rädelsführer gesehen. "Ich sah mich als Gastgeber und Moderator der Treffen." Und: Gegenstand der Runden seien etwa Diskussionen gewesen und nicht die Bildung eines Rats. Zudem betonte er in seiner rund einstündigen Erklärung: "Eine "Gruppe Reuß" gab es nur in der Presse."

Vorwurf der Umsturzpläne

Die Bundesanwaltschaft wirft den neun in Frankfurt Angeklagten indes vor, Mitglieder einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein beziehungsweise diese unterstützt zu haben. Ziel sei gewesen, die bestehende Staatsordnung gewaltsam zu beseitigen und durch eine eigene, bereits in Grundzügen ausgearbeitete Staatsform zu ersetzen. 

Als zentrales Gremium fungierte laut Anklage der "Rat", der sich – ähnlich wie ein Regierungskabinett – aus Ressorts, wie etwa "Militär", "Inneres" oder "Justiz" zusammensetzte. Der "Rat" sollte nach dem Umsturz als Übergangsregierung fungieren. Die Ratsmitglieder hätten sich regelmäßig getroffen, um das weitere Vorgehen zu planen, so die Bundesanwaltschaft.

Reuß sei von anderen Angeklagten getäuscht worden

Über Nacht habe sein Mandant die von ihm vorgetragene Erklärung abgefasst, sagte einer von Reuß' Anwälten. Daraus trug der Hauptangeklagte mit zittrigen Händen vor. Zwischenzeitlich stockte ihm die Stimme. Seit Dezember 2022 sitzt er in Haft. 

In seiner Aussage beschuldigte Reuß andere Angeklagte, darunter Maximilian Eder und Rüdiger von P. Die hätten ihn glauben lassen, es gäbe eine sogenannte Erdallianz. Die Bundesanwaltschaft beschreibt die Allianz als "[...] ein tatsächlich nicht existierender – technisch überlegener Geheimbund von Regierungen, Nachrichtendiensten und Militärs verschiedener Staaten einschließlich der Russischen Föderation sowie der Vereinigten Staaten von Amerika." 

Die Erdallianz ist nicht existent - heute ist ihm das klar, sagte Reuß. "Wir wurden alle getäuscht. Die Täuschung war monetär und politisch", sagte Reuß. Damals habe er allerdings geglaubt, eine solche Allianz würde angeblich entführte Kinder befreien. Das habe er unterstützen wollen. Zudem habe er einen sechsstelligen Geldbetrag gespendet. Aber das Ziel eines gewaltsamen Umsturzes, wie es ihm Bundesanwaltschaft zur Last legt, bestreitet er. 

Auch von einer Verschwiegenheitserklärungen für die Mitglieder der Gruppe mit angedrohter Todesstrafe habe er zunächst nichts gewusst. Als er davon erfahren habe, habe er Selbstanzeige stellen wollen. Davon hätten in andere Angeklagte aber abgebracht.

Angeklagte auch an anderen Gerichten

Gegen die "Reichsbürger"-Gruppe Reuß laufen derzeit drei Terrorprozesse. Die Gruppe war nach einer Razzia Ende 2022 bekanntgeworden. Sie soll einen gewaltsamen Umsturz geplant und dabei bewusst Tote in Kauf genommen haben. Als Oberhaupt einer neuen Staatsform hätte danach der mutmaßliche Rädelsführer Heinrich XIII. Prinz Reuß fungieren sollen.

Mit zwei parallel laufenden Verfahren in München und Stuttgart müssen sich insgesamt 26 mutmaßliche Verschwörer in dem Komplex verantworten. Bis zum Urteil gilt für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

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