Nach dem Urteil gegen Marine Le Pen berichtet eine französische Richterin, wie US-Diplomaten versuchten, sie unter Druck zu setzen. Offenbar kein Einzelfall.
In einem Clip einer französischen Talkshow, der in den sozialen Medien derzeit vielfach geteilt wird, berichtet die französische Richterin Magali Lafourcade davon, wie Mitarbeitende der US-Botschaft offenbar versuchten, sie einzuschüchtern.
Im Mai 2025 habe sie sich mit zwei Vertretern der Trump-Regierung, die angeblich gekommen waren, um mit ihr über Menschenrechte zu sprechen, getroffen. Solche Gespräche führe sie oft mit Diplomaten von Frankreichs Bündnispartnern.
Jedoch sei es imn dem Gespräch schnell um den Prozess gegen Marine Le Pen gegangen "Ihre Idee war es, mit mir oder anderen Personen Hinweise dafür zu finden, dass es sich um einen rein politischen Prozess handelte, um sie daran zu hindern, für das Präsidentenamt zu kandidieren", so Lafourcade. Ihr zufolge wollten die von Trump entsandten Diplomaten Beweise für eine Einflussnahme auf den Prozess finden. Video Richterin
Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen darf nicht bei Wahlen antreten
Marine Le Pen wurde im März 2025 wegen Veruntreuung von EU-Geldern von einem Pariser Strafgericht verurteilt. Für die französische Politikerin und mehrfache Präsidentschaftskandidatin des rechtsradikalen Rassemblement National (RN) ein Schlag ins Gesicht – schließlich hat das Urteil zur Folge, dass sie bei der Präsidentschaftswahl 2027 nicht antreten darf.
Nach der Intervention durch die US-Botschaft tat Lafourcade nach eigener Aussage etwas, was sie sonst nicht tue: "Ich informierte das französische Außenministerium über den Inhalt dieses Gesprächs. Ich hielt es für meine Pflicht, dies zu tun. Ich weiß, dass es ernst genommen wurde", sagt sie.
Weitere Richter von US-Regierung sanktioniert
In der Talkshow erzählt sie, dass zwei Monate nach ihrem Gespräch mit den US-Diplomaten ein brasilianischer Richter, Alexandre de Moraes, nach der Verurteilung einer Person aus Trumps Umfeld sanktioniert wurde. Im Sommer wurden Sanktionen gegen Nicolas Yann Guillou, Richter am Internationalen Strafgerichtshof, verhängt. "Sanktionen bedeuten, dass Ihr Name auf eine Liste der schlimmsten Terroristen und Drogenhändler der Welt gesetzt wird, was bedeutet, dass Sie kein normales Leben mehr führen können, weil Ihnen viele alltägliche Dienstleistungen verwehrt bleiben. Das ist äußerst besorgniserregend", so die Richterin. US-Unternehmen wie Amazon, Airbnb, Expedia und Paypal hatten etwa die Konten Guillous geschlossen.
Auf eine Frage der Moderatorin bekräftigt die Richterin, dass es hierbei um neue Formen der Einschüchterung handle. Ihr zufolge steckten dahinter politische Motive. "Wir müssen wachsam sein gegenüber dem, was in Frankreich, aber auch weltweit geschieht", sagt Lafourcade.
