Fragen und Antworten: Deutsche Goldreserven im Ausland: Wieviel haben wir da eigentlich?

Published 3 hours ago
Source: stern.de
Fragen und Antworten: Deutsche Goldreserven im Ausland: Wieviel haben wir da eigentlich?

Wegen der Unberechenbarkeit Donald Trumps kommt wieder die Frage auf, ob die deutsche Goldreserven aus den USA nach Frankfurt sollten. Wie viel Gold hat Deutschland? Und wo?

Angesichts der unberechenbaren US-Politik unter Präsident Donald Trump sind Forderungen laut geworden, die deutschen Goldreserven aus New York abzuziehen. Der frühere Leiter der Forschungsabteilung der Bundesbank, Emanuel Mönch, sagte dem "Handelsblatt", es scheine "aktuell riskant, so viel Gold in den USA zu lagern". Im Sinne einer "größeren strategischen Unabhängigkeit von den USA wäre die Bundesbank darum gut beraten, über eine Rückholaktion nachzudenken".

Auch die finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katharina Beck, brachte eine Verlagerung ins Spiel. Die Goldreserven seien "ein wichtiger Stabilitäts- und Vertrauensanker", sagte sie dem "Handelsblatt". "Sie dürfen auf keinen Fall zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden."

Bundesbankpräsident Joachim Nagel lehnt eine weitere Verlagerung aktuell aber ab, wie das "Handelsblatt" weiter berichtete. Unterstützung erhält er von den Regierungsfraktionen im Bundestag. Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Fritz Güntzler (CDU), sagte der Zeitung, es sei weiter sinnvoll, einen Teil der Reserven in den USA zu lagern.

Die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Frauke Heiligenstadt, kann Sorgen um die Goldreserven nach eigenen Angaben zwar nachvollziehen, rät aber von "Panik" ab: "Die deutschen Goldreserven sind gut diversifiziert angelegt." Die Hälfte liege in Frankfurt, "sodass unsere Handlungsfähigkeit sichergestellt ist". Der Standort New York sei sinnvoll, denn "Deutschland, Europa und die USA sind finanzpolitisch eng miteinander verbunden".

Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hält ebenfalls nichts von einer Rückholung. "Aus geldpolitischen Gründen kann es sinnvoll sein, das Gold für bestimmte Transaktionen in den USA zu belassen", sagte Hüther der "Rheinischen Post". Mit einer Rückholung würde man Trump außerdem nicht beeindrucken.

Wie viel Gold hat die Bundesbank insgesamt gelagert?

Der von der Bundesbank für den deutschen Staat verwaltete Goldschatz ist der zweitgrößte der Welt nach den Beständen der USA. Rund 3352 Tonnen waren es Ende 2024, damaliger Wert: mehr als 270 Milliarden Euro. Seither ist der Goldpreis deutlich gestiegen.

Wo sind die deutschen Goldreserven gelagert?

Wie sind die Goldreserven auf die drei Standorte verteilt?

Mehr als die Hälfte (1710 Tonnen) des Edelmetalls lagert nach Angaben der Bundesbank in eigenen Tresoren in Frankfurt. 1236 Tonnen und damit knapp 37 Prozent der deutschen Goldbestände werden bei der US-Notenbank Fed in New York aufbewahrt. Die restlichen 405 Tonnen verwahrt die Bank of England in London.

Die 267.682 Goldbarren, die die Bundesbank in ihrer jüngsten Inventarliste Ende 2024 verzeichnet, verteilen sich den Angaben zufolge wie folgt auf die Lagerstätten: 136.637 Frankfurt, 98.613 New York, 32.432 London.

Wie wird das Gold dort eingelagert?

Die Goldbarren befinden sich in Frankfurt, London und New York in Tresorräumen, hinter dicken Wänden aus Stahl und Beton. Fotos der Deutschen Bundesbank zeigen die Barren, die in Regalen im Tresor gelagert sind. Ein Video der Bundesbank aus dem Jahr 2017 zeigt den Tresorraum in Frankfurt, der eher an einen schnöden Kellerraum erinnert, und die sich darin befindlichen Lagerkisten – Spezialanfertigungen, grau und aus Metall, mit Gittern, um das Edelmetall darin zu sehen.  

Die Deutsche Bundesbank beschrieb 2017 die Grundsätze ihres Lagerstellenkonzepts. Die Lagerung der Goldreserven orientierte sich an Sicherheit, Liquidität und Kosteneffizienz. Für externe Lagerstellen kommen demnach Zentralbanken "von höchster internationaler Reputation" infrage, die ihren Sitz in Ländern mit "stabilen demokratischen Strukturen" haben. Hohe Sicherheitsstandards sind ebenfalls ein Kriterium.

Der stern konnte 2004 bei der US-Notenbank Fed in New York hinter die Kulissen schauen: "Der Weg führt durch insgesamt fünf schwere Tore tief in den Untergrund von Manhattan. An der Südspitze der Insel, 25 Meter unter der Erde, steht der Tresor der Federal Reserve Bank of New York. Man geht vorbei an drei schwer bewaffneten Männern und einem Zitat Goethes in großen Lettern, ins Englische übersetzt: 'Gold is irresistible' – Gold ist unwiderstehlich. Ein Angestellter der Fed betätigt eine Lichtschranke, worauf sich die Tür öffnet, ein Wärter tritt hinzu und bewegt mit schweren Drehbewegungen einen 82 Tonnen schweren Stahlzylinder. Dann ist der Durchgang frei – zum größten Goldlager der Welt."

Warum lagert ein Teil des Goldes außerhalb Deutschlands?

Das hat historische Gründe: Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven auf. Im Wesentlichen baute die Bundesrepublik ihren Goldbestand während der Wirtschaftswunderjahre auf, als Deutschland einen enormen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftete. Der florierende Export brachte der Bundesrepublik viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht wurden. Die bilateralen Überschüsse und Defizite jedes Landes über die Europäische Zahlungsunion (EZU) wurden mit den jeweiligen anderen Ländern verrechnet. Gezahlt wurde in Dollar oder Gold.

Während des Kalten Krieges war es gewollt, deutsches Gold "westlich des Rheins" und möglichst weit außerhalb der Landesgrenzen zu verwahren: als möglichen Puffer für Währungskrisen. Das Gold wurde aber nie aus Deutschland in die USA gebracht, von einer "Rückholaktion" zu sprechen, ist sachlich falsch.

Hätte die Bundesbank Lagerkapazitäten für ihr Gold aus den USA?

"Die Lagerkapazitäten in den Tresoren der Bundesbank würden für die 1236 Tonnen aus den USA grundsätzlich ausreichen", erklärt die Bundesbank. "Auch 100 Prozent aller Goldreserven könnten in den Tresoren der Bundesbank untergebracht werden." Entscheidend für die Notenbank seien vorrangig Sicherheit und Handelbarkeit. Anhand dieser Kriterien bewertet die Bundesbank regelmäßig, wo sie ihr Gold lagert. "Die New York Fed ist und bleibt in diesem Rahmen eine wichtige Lagerstelle für unser Gold. Wir haben keinen Zweifel daran, dass wir mit der Fed New York einen vertrauenswürdigen, verlässlichen Partner bei der Aufbewahrung unserer Goldbestände haben."

Was sagt die Bundesbank zu Sicherheitsbedenken?

Schon während Trumps erster Amtszeit betonte die Bundesbank, sie sehe keine Notwendigkeit, weitere Goldbarren aus ihren US-Beständen nach Deutschland zu holen. Die Bundesbank arbeite vertrauensvoll mit der Fed zusammen.

Im Oktober 2025 bekräftigte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel, es gebe keinen Grund zur Sorge um die bei der Fed in New York gelagerten Reserven. Die Bundesbank führe regelmäßig Inspektionen durch und nehme Stichproben. "Es ist vorhanden, es ist echt und es ist in vollständiger Übereinstimmung mit dem, was wir in unseren Büchern haben", sagte Nagel.

Es sei auch eine Frage der Risikostreuung, deutsches Gold an unterschiedlichen Standorten zu lagern. Im Fall einer Krise könnte das in New York und London lagernde deutsche Gold in Dollar oder Pfund umgetauscht werden.

Warum wurde dennoch Gold aus den USA nach Deutschland geholt?

Jahrelang kursierten Verschwörungstheorien: "Wo ist das Gold der Deutschen?". Um die Zweifler zu beruhigen, holte die Bundesbank in den Jahren 2013 bis 2017 Hunderte Barren aus Tresoren der Fed in New York (300 Tonnen) sowie der Banque de France in Paris (374 Tonnen) nach Deutschland. Paris als Lagerstätte gab die Bundesbank ganz auf.

Vor laufenden Kameras präsentierte die Bundesbank im August 2017 in ihrer Zentrale Goldbarren zum Anfassen. Die wichtigste Botschaft der Notenbank: Die deutschen Goldreserven sind echt und sie sind tatsächlich vorhanden.

Und die Bundesbank setzt auf noch mehr Transparenz: Auf fast 2400 Seiten listet sie seit Ende 2015 öffentlich einsehbar jeden einzelnen Barren auf. Um letzte Skeptiker zu überzeugen, gibt es Gold zum Anfassen: In ihrem Geldmuseum in Frankfurt ist ein Goldbarren eine der Hauptattraktionen.

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