Spiegelglatte Straßen im westlichen Niedersachsen führen zu teils katastrophalen Verkehrsverhältnissen. Überwiegend bleibt es bei Blechschäden - aber ein Autofahrer wird lebensgefährlich verletzt.
Der Eisregen kam und auf vielen Straßen in Niedersachsen ging gar nichts mehr. Vor allem im Westen des Landes zählte die Polizei Hunderte von Glatteis-Unfällen. Spiegelglatte Straßen sorgten für Dauereinsätze für die Einsatzkräfte, auch Streu- und Räumfahrzeuge waren pausenlos unterwegs.
Am frühen Nachmittag nahm die Zahl der Unfallmeldungen ab. "Unser Eindruck: das Gröbste ist vorüber", sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Osnabrück. Meist blieb es bei Blechschäden, in einigen Fällen wurden Menschen leicht verletzt. Bei einem Glätteunfall auf der Autobahn 1 bei Bramsche bei Osnabrück verletzte sich nach Polizeiangaben eine Person lebensgefährlich, eine weitere wurde in Georgsmarienhütte schwer verletzt. Auch in Lohne (Landkreis Vechta) zog sich ein Autofahrer schwere Verletzungen zu.
Hunderte von Unfällen
Allein im Bereich von Stadt und Landkreis Osnabrück seien zwischen 4.00 Uhr und 11.00 Uhr 200 Unfälle gemeldet worden, sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion: "Das ist eine absolute Extremlage." Bis zum Nachmittag waren es rund 260 Einsätze.
Insgesamt gab es im Bereich der Polizeidirektion Osnabrück, die die Regionen Osnabrück, Grafschaft Bentheim, Emsland und Ostfriesland umfasst, bis zum Nachmittag rund 500 Einsätze. 400 davon seien überwiegend glimpflich ausgegangene Verkehrsunfälle, erklärte ein Sprecher.
In den Landkreisen Emsland und der Grafschaft Bentheim habe es vom frühen Morgen bis 13.30 Uhr 170 Einsätze gegeben, sagte eine Polizeisprecherin. Zum Teil hätten die Menschen nach Unfällen eine erhebliche Zeit auf Einsatzkräfte warten müssen. "Es war teilweise gar kein Hinterherkommen mehr", berichtete sie. Das habe vor allem an der hohen Zahl von Unfällen gelegen, aber auch daran, dass auch die Polizei mit den schwierigen Straßenverhältnissen zu kämpfen hatte.
Kreisstraße zu Fuß mit Hand gestreut
Auf einer Kreisstraße zwischen den Orten Elbergen (Emsland) und Lohne (Grafschaft Bentheim) waren mehrere Autos von der Fahrbahn abgekommen. Das Rote Kreuz teilte heiße Getränke aus. Auch Räumfahrzeuge kamen nicht voran, die Mitarbeiter der Straßenmeistereien streuten laut Polizei die gesamte Strecke per Hand. Gegen 11.30 sei die Strecke wieder freigegeben worden.
In Haselünne wurde durch einen Unfall mit zwei Lastwagen ein Fass mit Gefahrgut beschädigt. Eine Spezialfirma musste die Reinigung übernehmen, hieß es von der Polizei. Verletzt worden sei aber niemand.
Autobahn 31 in Ostfriesland Unfallschwerpunkt
Im Landkreis Leer war vor allem die Autobahn 31 ein Unfallschwerpunkt. Dort kam nach Polizeiangaben zwischen den Anschlussstellen Leer-Ost und Leer-Nord ein Lastwagen ins Rutschen und stellte sich quer. Auch auf dem Autobahnabschnitt weiter nördlich zwischen Riepe (Landkreis Aurich) und Neermoor (Landkreis Leer) kam es zu mehreren Unfällen. Die Autobahn wurde deshalb dort von Emden in Richtung Leer gesperrt.
Polizeiauto auf Borkum von Promenade gerutscht
Auch auf der Insel Borkum geriet laut Polizei ein Lastwagen auf eisglatter Straße ins Rutschen, stürzte eine Promenade herunter und landete auf der Fahrerseite. Der Fahrer verletzte sich leicht am Bein. Nach der Unfallaufnahme geriet auch der Streifenwagen der Polizei ins Rutschen und stürzte ebenfalls die Promenade herunter. Der Beamte habe sich leicht am Kopf verletzt, sei aber weiter dienstfähig geblieben, hieß es.
Eiswarnung kam im Kreis Cloppenburg zu spät
Auswirkungen hatte der Eisregen auch auf den Unterricht: In der Stadt und im Landkreis Osnabrück, in der Grafschaft Bentheim und im Emsland fiel der Unterricht an den berufsbildenden Schulen aus, der Landkreis Vechta meldete allgemein einen witterungsbedingten Schulausfall.
Im Landkreis Cloppenburg fiel die Schule trotz Glatteis auf den Straßen nicht aus. Die Kreisverwaltung erklärte dazu, dass die amtliche Warnung des Deutschen Wetterdienstes erst um 6.38 Uhr auch auf den Landkreis Cloppenburg ausgedehnt wurde. Zu dieser Zeit seien bereits an vielen Orten Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zum Unterricht gewesen, erklärte ein Kreissprecher.
Autofahrer rutscht mit Sommerreifen in Leitplanke
Auch die Polizei im Landkreis Oldenburg warnte morgens vor extremer Straßenglätte, vor allem im Raum Wildeshausen, Großenkneten, Ahlhorn und auf der Autobahn 1 - es habe viele Unfälle gegeben.
Auf der Autobahn 1 verlor in Fahrtrichtung Münster bei Großenkneten ein 53 Jahre alter Autofahrer auf der glatten Fahrbahn die Kontrolle über sein Auto und krachte in die Mittelleitplanke. Laut Polizei war er mit Sommerreifen unterwegs - gegen ihn sei ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden, teilte die Polizei mit.
Schwerverletzter in Lohne
In den Landkreisen Cloppenburg und Vechta kam es seit dem Morgen zu mehr als 100 Verkehrsunfällen. Mehrere Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Meistens blieb es jedoch bei Blechschäden, wie die Polizei mitteilte. Bei Lohne kollidierten zwei Fahrzeuge, ein Auto rutschte dabei in den Straßengraben. Der Fahrer erlitt laut Polizei schwere Verletzungen.
Nach Einschätzung von Meteorologen müssen sich Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer auch in der kommenden Nacht und am Samstag auf gefährlich glatte Straßen einstellen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet für bestimmte Teile Niedersachsens erneut spiegelglatte Straßenverhältnisse durch Eisregen – der auch unwetterartig sein kann.
Glatteisgefahr bleibt bestehen
Grund sei ein Niederschlagsgebiet, das von Südwesten kommend aus NRW und den Niederlanden nach Niedersachsen reinziehe, sagte ein DWD-Meteorologe. "Dort kann es wieder zu Regen kommen, der auf gefrorenem Boden gefriert – also Eisregen." Ab etwa 2.00 Uhr an in der Nacht zum Samstag könne der Regen einsetzen und bis zum Vormittag andauern.
Von Eisregen betroffen seien in den frühen Morgenstunden voraussichtlich unter anderem die Grafschaft Bentheim und das Oldenburger Münsterland, sagte der Meteorologe. "In diesem Gebiet ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass noch einmal eine Unwetterlage auftritt. Da muss man sehr aufpassen."
