Fast drei Jahre nach der Abschaltung der letzten Atommeiler in Deutschland gibt es immer wieder Rufe nach Rückkehr zu der umstrittenen Technologie. Auch die FDP im Südwesten schließt sich dem an.
Um die Energieversorgung zu sichern, will die FDP zur Kernkraft zurückkehren und gemeinsam mit Bayern neuartige Atomkraftwerke nach Süddeutschland holen. Ein entsprechendes Positionspapier verabschiedete die FDP-Landtagsfraktion auf ihrer Klausurtagung in Ulm.
Mit dem Beschluss wolle man die wirtschaftliche Stärke Baden-Württembergs erhalten, sagte Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke der Deutschen Presse-Agentur. "In Bayern sehen wir einen Verbündeten, um den Bau von Mini-Atomkraftwerken in den 30er-Jahren sowie Kernfusion nach Süddeutschland zu holen", so Rülke, der auch Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl am 8. März ist.
Die FDP will sich im Fall einer Beteiligung an einer neuen Landesregierung dafür einsetzen, dass sich die neue Regierung klar zur Atomkraft bekennt. Gemeinsam mit Bayern wolle man den Boden für kleine Kernreaktoren, sogenannte Small Modular Reactors (SMR), bereiten sowie mögliche Standorte identifizieren, heißt es in dem Positionspapier, das der dpa vorliegt. Zudem will die Fraktion mehr Gas aus Argentinien beziehen und die Forschung zu Kernfusion stärken.
Söder forderte schon mehrfach kleine Atomkraftwerke
Die im Nachbarbundesland Bayern regierende CSU hatte erst vor wenigen Tagen ebenfalls eine Rückkehr zur Atomkraft gefordert. Energiepreise sollten langfristig durch günstige Erzeugung in Deutschland und nicht durch teure Importe oder Subventionen gesenkt werden. "Daher wollen wir diese kleineren Atomreaktoren für kostengünstige Energiegewinnung für Deutschland einführen", heißt es in einem Papier der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Auch Ministerpräsident Markus Söder hatte sich bereits mehrfach für Mini-Atomkraftwerke ausgesprochen. Die FDP im Südwesten begrüßt das ausdrücklich.
Auch sie will die kleinen Atomkraftwerke haben, um die Wirtschaft zu fördern. Es werde für den Standort Baden-Württemberg zentral sein, auch künftig ausreichend und günstige Energie zu haben, heißt es in dem FDP-Papier. "Viele starke Volkswirtschaften wie die USA, Kanada, Großbritannien, Norwegen oder die Niederlande setzen auf SMR für ihre Energieversorgung der Zukunft", schreiben die Liberalen. Für den Südwesten seien die neuen Kraftwerke auch deshalb besonders wichtig, weil viele Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz enorme Mengen Energie bräuchten.
