Bereits nach fünf Tagen ist die Stimmung unter im Dschungelcamp vielversprechend vergiftet. Immer deutlicher zeichnet sich ein Generationenkonflikt ab.
Wissen wir doch alle, wie das heute bei den jungen Leuten abläuft: kontakten, chatten, knattern. Beneidenswert. Irgendwie aber auch frustrierend für die Dschungel-Dilfs und -Milfs, die jeden Tag ihre Ohrenhaare wachsen und ihre Libido schrumpfen sehen. Und dann räkelt sich das knackige Reality-Gemüse nachts auch noch im Inner Circle des Camps, da, wo der Regen von den Bäumen aufgehalten wird – während die Alten auf den Außenplätzen feucht werden.
"Die haben ja nur ein Thema: Wer mit wem bumst", boomerte Simone Ballack, 49, beim Lagerfeuer-Plausch mit Hardy Krüger junior, 57. Und stieß daraufhin moralinsauer auf: "Stell dir vor, deine Kinder machen in so einer Show mit, und du siehst, wie die vögeln." Um wie viel seriöser ist es da doch, sich als Kellnerin einen millionenschweren Fußballer zu angeln und an seiner Seite ein Luxusleben als Spielerfrau zu führen. Das Dschungelcamp, darf man nicht vergessen, ist ja auch eine Klassengesellschaft: Laut "Bild" sind Ballack und Krüger mit kolportierten 200.000 bis 250.000 Euro Gage die Spitzenverdiener im Teilnehmerfeld. Ariel, gegen die sich der Groll der Wertkonservativen in erster Linie richtet, soll auf gerade mal 60.000 Euro kommen.
Dschungelcamp: Ariels Resilienz ist so löchrig wie ein Emmentaler
Es stimmt: Die Schweizerin ist so angenehm wie Migräne. Mit ihrem bohrmaschinenmäßigen Kch-Kch-Kch malträtiert sie gnadenlos die Gehirnwände der anderen Camper und begräbt sie unter einem unablässigen Hagel aus Vorwürfen und Selbstmitleid. Da gibt es keine Pause für das Team Wechseljahre um Simone Ballack, die der 22-Jährigen minimale Empathie und maximale Show attestiert. Aber, liebe Oldies mit der gesicherten Altersvorsorge: Ätzend und nervig zu sein, ist Ariels Beruf. Es ist ein echter Knochenjob, sich auf allen Plattformen und in sämtlichen Sendeformaten permanent im Gespräch zu halten. Da bleibt wenig Raum für Privates.
Dass die Resilienz der alleinerziehenden Mutter so löchrig ist wie Emmentaler Käse, zeigte sich erneut in der Dschungelprüfung. In einem einzigen langen Angstzustand schrie und kreischte sie sich durch ein unterirdisches Gangsystem voller glipschiger Reptilien und scheußlicher Fleischabfälle. Am Ende ergatterte sie, sage und schreibe, vier Sterne – eine wirkliche Sensation, die die Hungerkrise im Camp zumindest für einen Tag abmilderte. Man will sich nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn die Reality-Arbeiterin wieder mit leeren Händen zurückgekehrt wäre. Selbst der grundgute und tiefenentspannte Hubert Fella (Ballack: "So viel schlafe ich nicht mal zuhause, was der Hubert hier abratzt"), der normalerweise nur am Aschermittwoch und an Karfreitag kein Fleisch isst, hätte ein Stück von ihr abgebissen.
Gil gibt Einblicke in sein Seelenleben
Aber es ist nicht nur Beef und Lästerei im Dschungel. Zwischen Stephen Dürr, dem Älteren, und Umut Tekin, dem Jüngeren, keimt eine zarte Bromance. Stephen flachste über seine "Männertitten" und sprach an Umut eine Warnung aus ("Ich weiß, du stehst drauf. Don't touch me, damit wir hier kein Problem bekommen"). Der konterte grinsend: "Du kannst mit deiner Frau ja die BHs teilen." Als Umut seine fehlende Bindungsfähigkeit beklagte ("Ich will mein Herz schützen und distanziere mich emotional von meinen Beziehungen"), wechselte Dürr in die Rolle des weisen alten Mannes. "Du musst nur reifen, dich mit deiner Vergangenheit auseinandersetzen und dann die richtige Partnerin finden."
Selbst Gil Ofarim, dessen Mund juristisch zugetackert ist, öffnete einen Spaltbreit seine Seele. Auch hier leistete Dürr therapeutischen Beistand. Er mache sich Sorgen um seine Kinder, so Gil, dass sie sich Sprüche auf dem Pausenhof anhören müssten. "Die verstehen ja nicht, dass Vieles aufgeblasener Boulevardquatsch ist." Ihm sei bewusst gewesen, dass seine Teilnahme kontrovers sei – er hätte aber nicht gedacht, dass ihm so viel Hass entgegenschlagen würde. Am Ende schloss er erratisch: "Ich bin hier, um noch etwas zu erledigen."
Was könnte das sein? Was könnte den Musiker aus dieser sumpfigen Gemengelage führen, die sich bei sachlicher Betrachtung als nicht ganz so eindeutig darstellt, wie es scheint? Für Ariel, die hart arbeitende Social-Media-Schweizerin, ist die Sache klar. Grautöne aus, Geschrei an: "Gil hat es verdient zu leiden."
