"Die Wannseekonferenz": Januar 1942: Die Kaffeerunde des Bösen

Published 3 hours ago
Source: stern.de
"Die Wannseekonferenz": Januar 1942: Die Kaffeerunde des Bösen

15 Männer und eine Frau saßen am Mittag des 20. Januars 1942 zusammen, um die "Endlösung der Judenfrage" zu erörtern. Vom später als Wannseekonferenz berühmt gewordenen Treffen existiert ein Protokoll. Zum 80. Jahrestag erschuf das ZDF eine kühl-präzise Neuverfilmung.

Von 30 Protokoll-Durchschlägen, die im Nachgang der 85-minütigen Konferenz zur "Endlösung der Judenfrage" angefertigt wurden, überstand nur einer die Endphase des Krieges. Es reichte aus, um detailliert und in kühler Präzision zu belegen, was an einem kalten Januarmorgen 1942 in der Villa am Berliner Großen Wannsee 56/58 geschah. Das ZDF zeigt den schlicht "Die Wannseekonferenz" betitelten Film von Regisseur Matti Geschonneck aus dem Jahr 2022 erneut zu später Stunde.

Ins damalige Gästehaus der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (SD) hatte Reinhard Heydrich (Philipp Hochmair), Chef der Sicherheitspolizei und des SD, 14 weitere Männer samt Protokollantin Ingeburg Werlemann (Lilli Fichtner) eingeladen. An Heydrichs Seite saß Adolf Eichmann (Johannes Allmayer), sein Leiter der Abteilung Judenangelegenheiten / Räumungsangelegenheiten im Reichssicherheitshauptamt. Auf ihrer Themenliste für die Konferenz stand: den begonnenen Holocaust an den Juden im Detail zu organisieren und die Zusammenarbeit der beteiligten Instanzen zu koordinieren. Die anderen Herren der Runde werden von bekannten Schauspielern wie Godehard Giese, Maximilian Brückner oder Thomas Loibl verkörpert.

Die Vorläufer der Neuverfilmung

Verantwortlich für die Neuverfilmung der "Wannseekonferenz" zeichnet das für seine kühle Präzision in Sachen Kriminal- und Dramaerzählungen bekannte Gespann Matti Geschonneck (Regie) und Magnus Vattrodt (Drehbuch). Paul Mommertz, der als Ideengeber erwähnt wird, schrieb 1984 das Bühnenstück "Die Wannseekonferenz", aus dem Heinz Schirk im gleichen Jahr einen gleichnamigen Fernsehfilm drehte. Der wurde damals mit dem Grimmepreis ausgezeichnet, wenige Jahre später folgte ein Kinofilm. 2001 nahmen sich dann Amerikaner und Briten des Stoffes an.

Das vom gesamten Ensemble hervorragend gespielte Konferenz-Update, aus dem Philipp Hochmair als charmant-brillanter Architekt des Bösen herausragt, hinterlässt Spuren. Trotz der Verwaltungssprache wird das gigantische Grauen offensichtlich, das sich hinter den Worten verbirgt: Der Massenmord an Millionen Jüdinnen und Juden wird hier als rein logistisches Problem behandelt.

In der ZDFmediathek steht "Die Wannseekonferenz" bereits ab Mittwoch, 21. Januar, zum Abruf bereit.

Die Wannseekonferenz – Di. 27.01. – ZDF: 20.15 Uhr