Für die verheerenden Folgen der tödlichen Brandkatastrophe im Schweizer Ski-Ort Crans-Montana waren offenbar weder die Barbetreiber noch die Kommune ausreichend versichert. Der Versicherer Axa Frankreich teilte der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag mit, dass die Kommune und die Bar "Le Constellation" bei Axa Schweiz lediglich "Standardprodukte" als Haftpflichtversicherungen gewählt hätten. Diese in der Branche üblichen Verträge beinhalteten nur "eine begrenzte Versicherungssumme".
Nach Angaben aus mit dem Fall vertrauten Kreisen beträgt die Versicherungssumme bei den Standard-Haftpflichversicherungen nur zwischen zehn und 20 Millionen Schweizer Franken (10,7 bis 21,4 Millionen Euro). Die Policen der Kommune und der Bar seien "zweifellos nicht ausreichend, um die von den Verletzten und den Angehörigen der Verstorbenen erlittenen finanziellen Schäden zu übernehmen", heißt es in einer schriftlichen Mitteilung von Axa Schweiz.
In dem Feuer im Untergeschoss der Bar waren in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben gekommen. Das jüngste Todesopfer war erst 14 Jahre alt, das älteste 39. 116 weitere Menschen erlitten mitunter sehr schwere Verletzungen.
Wegen des Brandes wurden Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Verursachung eines Brandes eingeleitet. Der Mann des Betreiber-Ehepaars von "Le Constellation" wurde in Untersuchungshaft genommen.
Axa Schweiz hob hervor, dass die Frage, wer die Kosten des Unglücks zu tragen habe, erst nach Abschluss der strafrechtlichen Ermittlungen geklärt werden könne. Zugleich versicherte das Unternehmen, dass es seinen Pflichten als Haftpflichtversicherer "voll und ganz" nachkommen werde. Es arbeite "eng" mit den Behörden und anderen Beteiligten zusammen, um die Gleichbehandlung aller Verletzten sicherzustellen.
"Den betroffenen Personen wird eine medizinische Versorgung zuteil unabhängig von der Klärung der Verantwortlichkeiten", hieß es weiter. Der Versicherungskonzern regte einen "runden Tisch" mit allen Beteiligten, also auch Opfervertretern, an, um "einfache und praktische langfristige Lösungen zu finden" für die Entschädigung der Verletzten und Opferangehörigen. Axa könne dabei mit "seiner Expertise und seiner Erfahrung im Katastrophenmanagement" einen Beitrag leisten.
