A$AP Rocky, Alice Merton und Robbie Williams, der mit seinem Album "Britpop" den Spirit der goldenen 90er-Jahre beschwört: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.
Er war ja schon immer ein Rebell. Ein Unruhestifter in der großen Arena, der zwischendurch gerne mal provoziert. Ein Pop-Superstar mit Boyband-Vergangenheit, in dem viel Rock'n'Roll steckt. Aber kann Robbie Williams auch "Britpop"? Genau so nennt er jedenfalls sein neues Album. Eigentlich sollte die Platte erst in zwei Wochen auf den Markt kommen, der wilde und unberechenbare Robbie Williams hat sie kurzfristig aber doch schon jetzt veröffentlicht. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von A$AP Rocky und Alice Merton.
Robbie Williams – Britpop
Robbie Williams wurde als Mitglied von Take That zum Superstar, landete mit "Angels" einen der großartigsten Schmalzpop-Hits aller Zeiten, nahm aus Spaß auch schon Swing-Alben auf und sang "Santa Baby" mit Helene Fischer. Und genau der Typ stellt sich jetzt in eine Reihe mit Oasis und Blur? "Britpop" heißt das neue Album, das nach einigem terminlichen Hin und Her ab sofort erhältlich ist. Der Titel wirkt natürlich ziemlich frech, aber als Entertainer präsentiert Robbie Williams sich wieder einmal in großer Form.
Wie viel "Britpop" steckt in dieser Platte? Nun, man hört Rockband-Sound mit lauten Gitarrenriffs und manche Hymne, dabei singt Robbie Williams öfter mal ein bisschen rau, schnodderig und dreckig. Liam Gallagher würde diese knapp 40 Minuten wohl als Abfall bezeichnen, in den 90-ern hätte er Robbie Williams dazu vielleicht auch noch eine Tracht Prügel angedroht. Damals in den 90-ern hätte dieses "Britpop"-Album aber womöglich auch einige Parka- und Streifenshirt-Träger in eine ordentliche Identitätskrise gestürzt. Klanglich jedenfalls trifft Robbie Williams die "Britpop"-Idee immer wieder erstaunlich gut, etwa in "Rocket", "Spies" und "Cocky".
Ein Album wie dieses, erklärte Robbie Williams vor einigen Monaten, habe er eigentlich schon Mitte der 90er-Jahre aufnehmen wollen, unmittelbar nach seinem Ausstieg bei Take That. "Das war der Höhepunkt des Britpop und eine goldene Ära für die britische Musik." Für sein erstes Studioalbum seit 2019 ("The Christmas Present") arbeitete Williams unter anderem mit Black-Sabbath-Ikone Tony Iommi, im Sommer 2026 ist er mit der "Britpop"-Scheibe auch auf Europa-Tour (mit zwei Terminen in Düsseldorf).
A$AP Rocky – Don't Be Dumb
Das größte HipHop-Album des Jahres 2026 – jetzt schon, Mitte Januar? Manche sehen es so. Was sollte da auch noch kommen, um diese Veröffentlichung zu toppen? Mit über 25 Milliarden Streams und acht Milliarden YouTube-Aufrufen gehört A$AP Rocky zweifellos zu den Top-Playern im zeitgenössischen Rap-Game. Dass er seine Fans zuletzt ganze acht Jahre auf ein neues Album warten ließ, steigerte die Erwartungshaltung rund um "Don't Be Dumb" nur umso mehr. Mehr als eine Million Vorab-Saves bei Spotify, 130.000 verkaufte Vinyls schon vor der Veröffentlichung – der Hype ist enorm.
Das größte HipHop-Album des Jahres 2026 – aber auch das beste? Da gehen die ersten Meinungen auseinander. Manche Kritiker und Fans loben diese Comeback-Platte für ihre Kreativität, die starke Rap-Performance und den schrägen Humor vieler Titel. Einige beurteilen "Don't Be Dumb" als bestes Album seit Rockys Doppelplatin-Debüt "Long.Live.A$AP" (2013). Manche andere Kommentatoren hören dagegen das genaue Gegenteil, bezeichnen das Material in ersten Reaktionen als "unreif" und "uninspiriert". Es gibt dazwischen allerdings auch viele Hörerinnen und Hörer, die sich nach dem vierten und fünften Durchgang immer noch unsicher sind. Ein "Grower" vielleicht ..?
So oder so, gesprochen und diskutiert wird über diese neue Platte sicher noch eine ganze Weile, und ein großes Spektakel ist die Veröffentlichung in jedem Fall. Das Cover, das mehrere Alter Egos von A$AP Rocky zeigt, entwarf der Rapper gemeinsam mit Kino-Visionär Tim Burton. Darüber hinaus kann Rocky mit einem extrem hochkarätigen Gaststar-Ensemble angeben: Unter anderem sind Jon Batiste, die Gorillaz, Tyler, the Creator, Doechii und will.i.am mit Feature-Beiträgen auf "Don't Be Dumb" zu hören. Insgesamt enthält das Album 17 Tracks, verteilt auf 59 Minuten Spielzeit.
Alice Merton – Visions
Die allererste Single "No Roots" (2016) gleich ein internationaler Hit mit Gold und Platin, das erste Album "Mint" (2019) direkt auf Platz zwei in den Charts. Das zweite Album "S.I.D.E.S." (2022) dann nur noch auf Platz 28. – Der Verlauf liest sich ernüchternder, als es der Karriere von Alice Merton eigentlich entspricht. Die deutsch-kanadische Sängerin und Songwriterin aus Frankfurt hat sich in den letzten zehn Jahren gut etabliert im Musikgeschäft und kann auch jenseits von "No Roots" beachtliche Erfolge vorweisen, zum Beispiel 2019 einen Sieg als Coach bei "The Voice of Germany" und 2024 eine US-Tour mit mehreren ausverkauften Konzerten. Und da kann ja auch noch eine Menge kommen. Wo der Weg hinführt oder hinführen könnte, lotet Merton jetzt mit ihrem dritten Album "Visions" aus.
Das Auf und Ab ihrer bisherigen Karriere – es scheint Alice Merton schon zu beschäftigen. In der Ankündigung zum neuen Album heißt es, "Visions" handle von den "Zweifeln" einer Musikerin, die "sich weigerte, den bequemen Weg zu gehen, und stattdessen konsequent Entscheidungen traf, die sie als Künstlerin vollends repräsentieren – ein Weg, der bewusst nicht immer einfach oder von außen nachvollziehbar war". "Visions" handelt aber vor allem auch davon, wie Alice Merton diese Zweifel überwand.
Die 32-Jährige ist mit dem Label Paper Plane Records schon seit vielen Jahren ihre eigene Chefin, das verschafft ihr auch ein hohes Maß an kreativer Freiheit. Auf "Visions" spielt Alice Merton wieder mit verschiedenen Stilen zwischen Pop und Rock, die Musik wirkt gleichermaßen energiegeladen und experimentierfreudig. Inhaltlich konzentriert Merton sich mit dem durchaus sehr ansprechenden neuen Material auf Themen wie "Selbstbestimmung, Resilienz und Loyalität". Die begleitende Tour zum neuen Album startet im März.
