Viele Azubis beenden ihre Ausbildung nicht. Die Abbrecherquoten sind aber je nach Beruf sehr unterschiedlich und reichen von fünf bis 50 Prozent. Warum ist das so?
In vielen Ausbildungsberufen werden Fachkräfte händeringend gesucht. Trotzdem steigt die Abbrecherquote unter Azubis seit Jahren. Fast jedes dritte Ausbildungsverhältnis wird mittlerweile vorzeitig aufgelöst. Knapp 30 Prozent betrug die Abbruchquote nach jüngsten Zahlen aus dem Jahr 2024, berichtet das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) – ein "historischer Höchststand".
Warum ist das so? Und in welchen Berufen ist das Abbrecherproblem besonders groß?
Das haben sich IW-Forscher für das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) genauer angesehen. Die Experten sprechen dabei lieber von "Vertragslösungen" als von Abbruch. Denn unter den 159.000 vorzeitig aufgelösten Ausbildungsverhältnissen finden sich neben klassischen Abbrechern, die komplett aus der Ausbildung herausfallen, auch viele, die lediglich den Beruf oder Betrieb wechseln. Umgekehrt sind solche Azubis, die ihre Stelle trotz Vertragsunterschrift gar nicht erst angetreten haben, nicht in den Zahlen enthalten.
Wie attraktiv ist die Ausbildung?
Betrachtet man die Berufe mit den höchsten und niedrigsten Vertragslösungs- beziehungsweise Abbruchquoten, fällt auf: Besonders hoch ist die Abbrecherquote in Dienstleistungs- und Serviceberufen. Fast jeder zweite Berufskraftfahrer, Friseur oder Fachkraft für Schutz und Sicherheit beendet die Ausbildung nicht. Auch unter Verkäufern und Drogisten sowie Gastronomie- und Hotelfachleuten liegt die Abbruchquote bei über 40 Prozent. Hohe Azubi-Abbruchquote
Als Grund für die hohen Abbrecherquoten vermuten die IW-Autoren vor allem die Arbeitsbedingungen. Die betrachteten Berufe erforderten einen hohen körperlichen Einsatz, was bei jungen Menschen nicht hoch im Kurs stehe. Unregelmäßige Arbeitszeiten oder Wochenendarbeit machen die Berufe zusätzlich unattraktiv. Auch ein schlechtes gesellschaftliches Image könne zu höheren Abbruchquoten führen.
Besonders niedrig sind die Abbrecherquoten hingegen in vielen kaufmännischen und technischen Berufen, wie die Top-10 mit den wenigsten Vertragslösungen zeigen. Bei den Bankkaufleuten bricht nur jeder Zehnte die Ausbildung ab, bei den Industriekaufleuten noch nicht mal jeder Zwanzigste. Auch unter Elektronikern, Mechatronikern und Industriemechanikern sowie in Chemieberufen liegt die Abbruchquote teils deutlich unter 20 Prozent. Die niedrige Quote für KFZ-Mechatroniker bezieht sich allerdings nur auf die in Zuständigkeit der Industrie- und Handelskammern, für Ausbildungen bei den Handwerkskammern ist die Quote höher. Niedrige Azubi-Abruchquote
Als Grund für das Durchhaltevermögen der Azubis in den genannten Berufen nennen die Autoren die guten beruflichen Aussichten. Nach der Ausbildung böten sich hier häufig "gute Übernahmechancen und attraktive Entwicklungsperspektiven". In acht der Top-10-Berufe gibt es eine Fachkräftelücke, wie die rechte Spalte der Tabelle zeigt. So konnten etwa zuletzt bundesweit 10.000 Stellen für Mechatroniker und fast 11.700 Stellen für Industriemechaniker rechnerisch nicht besetzt werden.
Ein weiterer Aspekt bei den Abbrecherquoten könnte die Unternehmensgröße sein, merken die IW-Ökonomen an. Die Dienstleistungsberufe mit hohen Abbrecherquoten seien häufig in kleinen und mittleren Unternehmen angesiedelt, die technischen Berufe mit niedrigen Abbrecherquoten dagegen eher in großen Unternehmen.
Letztere verfügten meist über professionellere Strukturen und mehr Personal im Ausbildungsbereich. Zudem sei eine Ausbildung in einem großen bekannten Unternehmen oft mit mehr Prestige verbunden, was zu einer stärkeren Bindung und geringeren Abbruchquote beitragen könne. Kleinere Unternehmen sollten versuchen, hier durch Nähe und Engagement bei den Azubis zu punkten, empfehlen die Forscher.
