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OlympiaMinerva Hase2 hours ago

Hase/Volodin verwackeln Gold: Hinreißende Weltrekord-Kür reißt Olympia-Fans vom Hocker

stern.de

Tuesday, February 17, 2026

5 min read
Hase/Volodin verwackeln Gold: Hinreißende Weltrekord-Kür reißt Olympia-Fans vom Hocker
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Nach dem Olympia-Paarlauf-Kurzprogramm lagen Minerva Hase und Nikita Volodin noch in Führung. Doch in der Kür konnten sie dem Druck nicht standhalten – eine Medaille gab's trotzdem.Dieser Artikel erschien zuerst bei ntv.de.Ryuichi Kihara heulte und hörte gar nicht mehr auf. Aus seinem Gesicht flo...

Nach dem Olympia-Paarlauf-Kurzprogramm lagen Minerva Hase und Nikita Volodin noch in Führung. Doch in der Kür konnten sie dem Druck nicht standhalten – eine Medaille gab's trotzdem.

Dieser Artikel erschien zuerst bei ntv.de.

Ryuichi Kihara heulte und hörte gar nicht mehr auf. Aus seinem Gesicht flossen Tränen-Sturzbäche des Glücks und der Erleichterung. Der Japaner hatte am späten Montagabend Gold im Paarlauf-Wettbewerb gemeinsam mit seiner Partnerin Riku Miura gewonnen. Sie hatten gewonnen, weil sie eine im Eiskunstlaufen noch nie gesehene Kür zeigten, weil sie eine Weltrekord-Wertung für ihren Vortrag bekamen. Und sie gewannen, weil die nach dem Kurzprogramm führenden Minerva Hase und Nikita Volodin patzten.

Der Sonntagabend war die Ouvertüre, der Montagabend der Showdown. Und im einleitenden Teil, dem Kurzprogramm, hatte die Welt noch so viel anders ausgesehen. Nach einem Fehler bei der Hebung war Kihara untröstlich. Er war wütend auf sich selbst. Er war wütend, weil er, der amtierende Weltmeister, die Medaillen in weite Ferne rücken sah. Nicht aber sein motivierender Trainer, der ihm auf dem Weg vom Eis zuflüsterte: „Es ist noch nicht vorbei“. Und auch nicht Miura, die ihren innerlich brodelnden Partner sofort rührend aufgebaut hatte. Das waren Szenen fürs Herz.

Alles bei Olympia war auf diese Kür ausgerichtet

Und was zeigten die beiden für eine Nervenstärke. Jedes einzelne Element saß. 158,13 Punkte waren noch nie verteilt worden. Das Publikum war außer sich vor Begeisterung. Das sah plötzlich sehr nach Medaille aus und nicht mehr nach Platz fünf. Ein Paar nach dem anderen tanzte vergeblich auf dem Eis. Doch die Wertung der Japaner blieb eingefroren. Und dann kamen Minerva Hase und Nikita Volodin. Seit dreieinhalb Jahren arbeiten sie nun schon zusammen. Und sie hatten all diese Arbeit auf diesen Moment, auf diese olympischen vier Minuten ausgerichtet (plus eben das Kurzprogramm zuvor). Eine Medaille war der mindeste Anspruch, Gold war das klare Ziel dieses ungleichen Duos, das sich so perfekt ergänzt. Sie, der Strukturmensch, und er, der Freigeist.

Olympia 2026: Minerva Hase und Nikita Volodin holen Bronze
Minerva Hase und Nikita Volodin holten die Bronzemedaille
© Peter Kneffel

Dafür, für Gold, hatten sie in den vergangenen Wochen nochmal die Sinne geschärft. Sich selbst noch mal härtere Arbeit verordnet. Die Fehler bei der Europameisterschaft hatten sie aufgeschreckt. Und so arbeiteten sie am Feinschliff. Nach einem kurzen Trainings-Abstecher nach Mailand zogen sie sich abermals in die Schweiz zurück. Die beiden Perfektionisten wollten das letzte Prozent wecken. Alles für ihre Mission, der am Montagabend eben diese vier verdammten Minuten gegenüberstanden.

Eigentlich ging’s perfekt los

Es ging vorzüglich los mit dem Dreifach-Twist in der höchsten Schwierigkeit. Minerva Hase flog durch die Luft, Nikita Volodin fing sie butterweich auf. Doch dann kamen die Fehler. Hase unterdrehte beim zweiten Axel, den Salchow brachte sie nur einfach und nicht dreifach zustande. Gold rann ihnen durch die Hände, Silber wackelte. Bronze wirkte wahrscheinlicher, sicher war es nicht. Sie brachten die Kür professionell zu Ende, sanken aufs Eis und als sie ihre letzte Position verlassen hatten, lächelte Hase verzweifelt. Sie wusste natürlich, dass dieser Abend ganz anders verlaufen war, als sie sich das, völlig abgeschirmt von allen anderen Einflüssen, vorgestellt hatte.

„Es war auf jeden Fall nicht leicht, heute als Letzte aufs Eis zu gehen, mit dem Wissen: Jetzt sind nur noch wir dran und danach steht das Ergebnis fest“, sagte Hase nach der Kür zu Olympics.com. „Bei den Sprüngen habe ich gemerkt, dass ich etwas wackelig war – das hat dann zu dem großen Fehler geführt. Umso stolzer bin ich darauf, wie wir danach zurückgekommen sind.“ Volodin sei in diesen Momenten „der Fels in der Brandung gewesen“.

Im TV-Bild war zu erahnen, dass der 26-Jährigen ein leises „Scheiße“ über die Lippen kam. Volodin nahm sie in den Arm, zum Trost. Derweil konnten die Japaner kaum glauben, was sich da abgespielt hatte. Sie hatten Gold, aber sie trauten der Lage noch nicht. Es hatte ja noch niemand etwas angezeigt. Kihara kämpfte gegen die Tränen. Er war in einem leeren Raum gefangen, der sich nur ganz langsam golden zu verfärben begann. In Miuras Gesicht war gar nichts abzulesen. Sie wirkte völlig eingefroren.

Lächeln gegen die Anspannung

Hase und Volodin kämpften ebenfalls gegen ihre Gefühle an. Auf eine entschuldigende Geste folgte das professionelle Lächeln und ganz viele mit den Händen geformte kleine Herzchen. Es galt das Vakuum zu füllen, das zwischen Enttäuschung und Anspannung entstanden war. Das sich nur über die Jury-Wertung auflösen ließ. 139,08 Punkte gab’s, das war die viertbeste Kür, dank der Vorlage aus dem Kurzprogramm reichte das zu Bronze. Nur zu Bronze. Das war den Gesichtern deutlich abzulesen. Damit waren sie zwar gefallen, aber weicher als „Vierfach“-Gott Ilia Malinin, der in der Milano Ice Skating Arena in einem epischen Drama aus dem Olymp gefallen war.

Erst nach und nach formte sich aus der Blitz-Schockstarre ein Lächeln bei Volodin und Hase. Erst nach und nach verschwand das Kopfschütteln des 26-Jährigen, ehe die beiden bei der Vergabe der Medaillen wieder lachen konnten. Zuvor hatten sie trotz der Enttäuschung schon fair gratuliert.

Die Aufgabe für den Olympiasieg war an diesem Abend in Mailand ohnehin gigantisch gewesen. Die Herausforderung, die die Japaner dem deutschen Duo gestellt hatte, historisch groß. Für Gold hätten Hase und Volodin eine so gute Kür laufen müssen wie nie zuvor. Mit den Patzern platzte der Traum schnell. Und schließlich auch der Griff nach Silber, das nach Georgien ging, an die amtierenden Europameister Anastassia Metelkina und Luka Berulava. Sowohl Japan als auch Georgien hatten nie zuvor eine Medaille im Paarlauf geholt. Deutschland zuletzt 2018, damals in Pyeongchang gab’s Gold für Aljona Savchenko und Bruno Massot. Das zweite Berliner Duo Annika Hocke/Robert Kunkel lief mit Saisonbestleistung auf Rang zehn (194,11).

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