Terroristische Vereinigung: Syrien-Rückkehrerin distanziert sich von IS im Prozess
stern.de
Wednesday, February 11, 2026

Sie ging mit ihren Kindern in ein Kriegsgebiet – jetzt spricht die Mutter aus Oberfranken vor Gericht über Scham, Naivität und ihren Bruch mit dem Islamischen Staat. So lief der Prozessauftakt ab.In einem Prozess gegen eine Syrien-Rückkehrerin vor dem Oberlandesgericht München hat sich die Angekl...
Sie ging mit ihren Kindern in ein Kriegsgebiet – jetzt spricht die Mutter aus Oberfranken vor Gericht über Scham, Naivität und ihren Bruch mit dem Islamischen Staat. So lief der Prozessauftakt ab.
In einem Prozess gegen eine Syrien-Rückkehrerin vor dem Oberlandesgericht München hat sich die Angeklagte von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) distanziert. "Ich war maximal verblendet", erklärte die 38-Jährige über ihre Verteidigerin. Heute könne sie diese Radikalisierung nicht mehr nachempfinden. In eigenen Worten entschuldigte sich die gebürtige Bambergerin bei ihren Kindern, mit denen sie 2014 nach Syrien ausgereist und sich dem IS angeschlossen hatte, für den ihr Ehemann bereits dort kämpfte.
Die Generalstaatsanwaltschaft wirft der konvertierten Muslimin Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vor sowie Verletzung ihrer Fürsorge- und Erziehungspflicht als Mutter.
Kinder im Sinne des IS erzogen?
Ende September 2014 war die Frau aus dem oberfränkischen Strullendorf (Landkreis Bamberg) mit ihren drei Kindern über die Türkei ins syrische Bürgerkriegsgebiet gereist. Ihr Mann war dort IS-Kämpfer und starb 2015 laut Anklage, als er einen Selbstmordanschlag in Syrien verübte. Die Angeklagte heiratete einige Monate später erneut und bekam 2017 einen weiteren Sohn. 2018 starb auch ihr zweiter Ehemann in der Wohnung bei einem Bombenangriff. Alleinerziehend mit vier Kindern ging sie im Februar 2019 in ein Flüchtlingscamp und wurde nach weiteren Stationen im Mai 2025 nach Deutschland ausgeflogen, wo sie kurz nach der Einreise festgenommen wurde.
Die Generalstaatsanwaltschaft ist überzeugt: Die Frau habe ihre Kinder in ein Bürgerkriegsgebiet gebracht und im Sinne der Ideologie des IS erzogen. Den bewaffneten Dschihad sehe sie als legitimes Mittel zur Durchsetzung ultrakonservativer islamistischer Interessen an und sie lehne die Werte der freiheitlich demokratischen Grundordnung ab.
In Sog der Propaganda geraten
Dem widerspricht die 38-Jährige in ihrer Einlassung. Sie sei in den "Sog der Propaganda" unter den dortigen Verhältnissen in Syrien geraten. Sie sei damals naiv, leichtgläubig, manipulierbar und leichtsinnig gewesen. Inzwischen schäme sie sich jeden Tag, auch für die Aggressivität, mit dem der IS vorgehe, etwa bei Selbstmordattentaten. "Ich finde keinen Beweis in meiner Religion, dass dies erlaubt ist", erklärt die Angeklagte, die sich als gläubig bezeichnet. Durch diese Ideologie des IS werde der Islam in ein schlechtes Licht gerückt. Sie selber finde Kraft in ihrem Glauben und vermittle ihren Kindern auch Respekt gegen jeden Menschen.
Die 38-Jährige ist in Untersuchungshaft und nimmt an einem Deradikalisierungsprogramm teil. Zudem bedankte sie sich bei den deutschen Behörden, darunter dem Auswärtigen Amt und dem Jugendamt. Sie bekomme die Chance auf ein neues Leben und hoffe auf einen Neuanfang. Sie wolle in Frieden und Freiheit mit der Familie leben und alles wiedergutmachen.
Read the full article
Continue reading on stern.de

