morgenstern: Gewalt gegen Zugbegleiter: Bundespolizei wartet "seit Monaten auf Verstärkung"
stern.de
Thursday, February 5, 2026

Nach Tod von Serkan C.: mehr Sicherheit für Bahnpersonal gefordert. Neue Vorwürfe gegen Ex-HSV-Vorstand Stefan Kuntz. Und: Warum Affären nicht immer schlecht sind. Die Lage am Morgen.Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,ich kann es nicht anders sagen: Was am Montagabend im Regionalexpress RE4...
Nach Tod von Serkan C.: mehr Sicherheit für Bahnpersonal gefordert. Neue Vorwürfe gegen Ex-HSV-Vorstand Stefan Kuntz. Und: Warum Affären nicht immer schlecht sind. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
ich kann es nicht anders sagen: Was am Montagabend im Regionalexpress RE4131 von Landstuhl in Richtung Homburg passiert ist, macht mich fassungslos.
Kurz nach der Abfahrt des Zuges kontrollierte Zugbegleiter Serkan C. die Tickets der Fahrgäste. Er traf dabei einen 26-Jährigen ohne Fahrschein an, nach bisherigem Kenntnisstand ein Grieche ohne Wohnsitz in Deutschland. Serkan C. verwies den Mann des Zuges. Von Gewerkschaftsseite heißt es, er sei dabei behutsam vorgegangen. Trotzdem rastete der Passagier aus.
Soweit bekannt, schlug er dem Kontrolleur mehrfach mit der Faust gegen den Kopf. Serkan C. musste vor Ort reanimiert werden, verstarb jedoch am Dienstag im Krankenhaus. Die Obduktion ergab als Todesursache eine Hirnblutung als Folge erheblicher stumpfer Gewalteinwirkung. Der mutmaßliche Angreifer konnte festgenommen werden und sitzt in Untersuchungshaft. Mein Kollege Nico Schnurr hat ausführlich über den Vorfall berichtet.
Zugbegleiter Serkan C. war dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zufolge alleinerziehender Vater zweier Kinder. Der 36-Jährige machte seinen Job und verlor dabei sein Leben. Was für ein sinnloser Tod.
Und: Der tödliche Angriff auf Serkan C. ist nur der jüngste Fall in einer langen Liste an Übergriffen auf Zugpersonal in den vergangenen Monaten. Bei einer Umfrage der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) unter 4000 Bahnmitarbeitern gaben 82 Prozent der Befragten 2024 an, schon einmal Anfeindungen oder Übergriffe im Dienst erlebt zu haben.
Dem Bundesinnenministerium zufolge wurden Januar bis Ende Oktober 2025 fast 3000 Bahnbedienstete Opfer von Straftaten. Darunter waren 1231 Fälle von Körperverletzung und 324 Fälle von gefährlicher Körperverletzung.
Serkan C. ist nach bisherigem Kenntnisstand nun der Erste, der durch einen solchen Angriff zu Tode kam. Der Vorfall dürfte eine neue Debatte über gesellschaftliche Verrohung auslösen.
Zumal kurz nach der Tat am Dienstag bereits der nächste Vorfall publik wurde. In Hamburg attackierte ein Mann einen Bahnmitarbeiter am Bahnhof Dammtor und verletzte ihn schwer. Der Grund war ein nichtiger: Das Opfer hatte seinen späteren Angreifer darauf hingewiesen, dass er einen Dienstraum am Gleis nicht betreten dürfe.
Gewerkschafter fordern mehr Sicherheit für Bahnpersonal
Der Vorsitzende der Bahn-Gewerkschaft EVG, Martin Burkert, fordert deshalb nicht zum ersten Mal einen besseren Schutz für die Eisenbahner. Zugbegleiter sollten demnach mindestens in einer Doppelbesetzung unterwegs sein. Auch der Einsatz von Bodycams und Notfallknöpfen sei denkbar.
Die polizeiliche Zuständigkeit bei der Bahn in Deutschland liegt rechtlich bei der Bundespolizei. Dort wartet man aber "seit Monaten auf Verstärkung", wie der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Jochen Kopelke in einem Interview mit den Funke-Zeitungen sagte.
"Die Bundespolizei ist in Grenzkontrollen und anderen Aufgaben stark gebunden und die Landespolizeibehörden können ebenfalls kaum unterstützen und aushelfen", so Kopeke weiter. Er fordert nun eine Aufstockung der Polizeikontingente von Bund und Ländern und ein Sofortprogramm für mehr Sicherheit.
Zugegeben, die Frage ist etwas provokant: Aber vielleicht wäre ja zumindest ein Teil der bereits verfügbaren Bundespolizistinnen und Bundespolizisten an den Bahnhöfen sinnvoller eingesetzt, als an den Grenzen?
Neue Vorwürfe gegen Ex-HSV-Vorstand Stefan Kuntz
Es gab zuletzt einige Dinge, die beim Hamburger SV für Aufmerksamkeit sorgten: ein unerwartetes Unentschieden gegen den FC Bayern München. Die Alkoholfahrt des Außenstürmers Jean-Luc Dompé. Vielversprechende Verpflichtungen von Spielern am letzten Tag des Wintertransferfensters. Doch noch viel stärker dominiert ein Mann die Debatten, der gerade seinen Job verloren hat und womöglich nicht so schnell in den Fußball zurückkehren wird: Stefan Kuntz.
Erstmals werden im Fall des Fußballmanagers konkrete Vorwürfe laut, was er sich in seiner Zeit als Sportvorstand beim HSV womöglich hat zuschulden kommen lassen.
Aus für New-Start-Vertrag – droht uns jetzt ein atomares Wettrüsten?
An diesem Donnerstag endet der New-Start-Vertrag: In ihm hatten sich die USA und Russland 2010 auf Obergrenzen für die strategischen Atomwaffenarsenale verständigt – jeweils auf 1550 atomare Sprengköpfe. Wie gefährlich ist das für Europa?
Darüber spricht meine Kollegin Miriam Hollstein mit dem Sicherheitsexperten Carlo Masala, von der Universität der Bundeswehr in München.
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Eine Affäre kann eine Beziehung regelrecht zur Explosion bringen. Für die Betrogenen ist es dann völlig undenkbar, die Beziehung fortzuführen. Denn der Betrug wird als Verrat, als Vertrauensbruch gewertet.
Aber das muss der Paartherapeutin und Sexualberaterin Sandra Kappesser-Siegmund zufolge nicht so sein – Affären sind nicht immer schlecht, sagt sie. Das mag für viele wie eine Provokation anmuten, doch sie spricht aus eigener Erfahrung. Hier erfahren Sie mehr.
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Patrick Rösing
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