Marius Borg Høiby: Norwegens Monarchie bringt sich vor dem Prozess in Stellung
stern.de
Thursday, January 29, 2026

Am Dienstag beginnt in Oslo der Strafprozess gegen Marius Borg Høiby. Jetzt hat "Bonusvater" und Thronfolger Haakon bekannt gegeben, wie die Familie sich dazu verhalten wird.Wenige Tage vor dem Start des Prozesses gegen Stiefsohn und Sohn Marius Borg Høiby positionieren sich Haakon und Mette-Mari...
Am Dienstag beginnt in Oslo der Strafprozess gegen Marius Borg Høiby. Jetzt hat "Bonusvater" und Thronfolger Haakon bekannt gegeben, wie die Familie sich dazu verhalten wird.
Wenige Tage vor dem Start des Prozesses gegen Stiefsohn und Sohn Marius Borg Høiby positionieren sich Haakon und Mette-Marit zurückhaltend. Die am 3. Februar beginnende, siebenwöchige Verhandlung könnte auch für die königliche Familie unerfreulich werden.
Zwar betont der Hofsprecher seit dem Bekanntwerden der ersten Vorwürfe immer wieder, dass Marius der Sache nach eine volljährige Privatperson sei und daher das Königshaus nichts mit dem Prozess zu tun habe. Die trotzdem unweigerlich zu erwartende Berichterstattung sowohl einheimischer als auch internationaler Journalisten wird das norwegische Königshaus dennoch auf eine harte Probe stellen. In einem ungewöhnlich persönlichen Statement hat Kronprinz Haakon jetzt überraschend am Rande einer Konferenz ein weiteres Mal betont: "Marius ist kein Teil des Königshauses." Aber er sei ein wichtiger Teil der Familie und auch ein Bürger Norwegens, mit den gleichen Rechten und Pflichten, fügte der Thronfolger sogleich hinzu. Damit zeigte er eine klare Strategie der Royals: private Solidarität, ja, aber diskret, ohne prominente Auftritte im Gerichtssaal.
Marius Borg Høibys leiblicher Vater Morten Borg, der früher regelmäßig Kontakt hielt und bei Meilensteinen wie Einschulung oder Konfirmation im Leben seines Sohnes eine aktive Rolle spielte, bleibt derweil weiterhin unsichtbar. Ob oder inwieweit er für seinen Sohn in den nächsten Wochen da zu sein plant, ist nicht bekannt.
Marius Borg Høiby: Gleichbehandlung oder Ausnutzung von Privilegien?
Und das, obwohl Marius Borg Høiby, 29, wegen immerhin 38 Anklagepunkten vor Gericht steht, darunter Vergewaltigung, Misshandlung junger Frauen innerhalb und außerhalb der Partnerschaft sowie Drogenkonsum und -transport. Bis zu zehn Jahre Haft drohen, doch Borg Høiby läuft derzeit bis Prozessbeginn frei herum wie jede andere Privatperson in einer vergleichbaren Situation.
Überhaupt wird die Frage, inwieweit dem Stiefsohn des Kronprinzen während der polizeilichen Untersuchung eine Sonderbehandlung zuteilwurde, wohl zum kontroversen Thema werden. Der norwegische Historiker Ole-Jørgen Schulsrud Hansen vertritt die These, dass es eine Illusion sei zu glauben, Marius sei je wie ein normaler Norweger behandelt worden, nur weil kein blaues Blut in seinen Adern fließe und die norwegische Gesellschaft im Prinzip auf dem Gleichheitsgrundsatz aufgebaut sei.
"Wenn wir die Monarchie als Staatsform behalten wollen, dann sollte es einen Unterschied zwischen den Menschen im Schloss und den anderen, unten vor dem Balkon geben, es wär naiv, das zu leugnen. Die Sonderbehandlung, die Marius wahrscheinlich früher erhielt, bewusst oder unbewusst, war richtig, denn sein Stiefvater ist der nächste König von Norwegen und seine Mutter die künftige Königin. Aber daraus müsste dann auch folgen, dass seine früheren Erziehungsberechtigen auch viel Verantwortung dafür tragen, dass er offenbar auf die schiefe Bahn geraten ist," sagte Schulsrud Hansen dem stern.
Es sei paradox, dass ausgerechnet Marius DAS Symbol für die moderne norwegische Monarchie verkörpert habe, seit er das erste Mal bei der Hochzeit seiner Mutter mit dem Kronprinzen 2001 auf dem Arm des Thronfolgers auf dem Palastbalkon erschien, als erstes royales "Bonuskind" in einem europäischen Königshaus. Dass Marius nie eine wirklich klar definierte Rolle in dieser besonderen Welt haben, sich gleichzeitig aber auch schwertun könnte, eine Rolle in der normalen, bürgerlichen Welt zu finden aufgrund seiner Sondersituation, habe sich damals wohl niemand klargemacht.
Mette-Marit geht auf Reisen
Das Kronprinzenpaar hat sich derweil entschieden, dem Prozess nicht persönlich beizuwohnen – nach reiflicher Überlegung, wie Haakon dem norwegischen TV-Sender NRK gegenüber bestätigte. Man wolle die Justiz ungestört von übermäßiger öffentlicher Aufmerksamkeit ihre Arbeit machen lassen. Zu konkreten Unterstützungsplänen für Marius in den kommenden Wochen schwieg der Thronfolger sich aus, trotz intensiver Nachfragen anwesender Journalisten.
Es ginge der Familie darum, im Privaten in dieser herausfordernden Zeit für Marius da zu sein, fernab der Kameras. Zunächst würden er und auch Kronprinzessin Mette-Marit als Mutter des Angeklagten noch wie gewohnt Repräsentationstermine wahrnehmen – die Pflicht gehe vor.
Auf die Frage, wie es Marius selbst gerade gehe, antwortete Haakon ausweichend: "Ich denke, Marius muss seine Geschichte selbst erzählen, wenn er das möchte. Ich finde nicht, dass ich in seinem Namen sprechen sollte", so der Kronprinz.
Und auch von der Mutter Mette-Marit wird dazu wohl nichts weiter zu hören sein. Die vielleicht überraschendste Neuigkeit neben dem "Prozessboykott" der Royals: Mette-Marit plane zeitgleich mit dem Prozessbeginn kommende Woche eine private Reise von noch unbestimmter Länge. Dass sie wegen ihrer schweren Lungenkrankheit einen weiteren Kuraufenthalt benötigt, könnte ein Grund dafür sein – oder sie will einfach nicht aus der Nähe miterleben müssen, wie über ihren Erstgeborenen geurteilt wird.
Read the full article
Continue reading on stern.de


