Zwei Siege am Stück zu Beginn der Rückrunde, Anschluss an die Nichtabstiegsränge: Dresden scheint den Turnaround geschafft zu haben. Gewonnen ist aber noch nichts.
Diesen emotionalen Ausbruch hatte man bei Thomas Stamm bislang nur beim Aufstieg gesehen. Der Schweizer Trainer von Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden ballte nach dem 2:1-Sieg im Elb-Clásico beim 1. FC Magdeburg die Fäuste und schrie ein langes Ja heraus, ehe er seinen Staff-Mitgliedern um den Hals fiel. Die Erleichterung über den zweiten Sieg zu Beginn der Rückrunde war den Dresdnern aber allenthalben anzusehen und anzumerken.
Wie die kleinen Kinder hüpften und sangen die Kicker mit den Fans - trotz übler Kälte immer noch in der verschwitzten Spielkleidung. Nach den Treffern von Kofi Amoako (34.), der damit der 100. Dresdner Zweitliga-Torschütze ist, und Thomas Keller (45.+3), steht das Team zwar noch immer auf Abstiegsplatz 17. Der Rückstand auf einen Nichtabstiegsrang beträgt jedoch nur noch einen Zähler, bis Platz elf sind es deren drei. Eine schöne Momentaufnahme, mehr aber auch noch nicht.
Neuzugänge geben dem Team ein neues Gesicht
Dennoch, der Dynamo-Aufwärtstrend ist nicht zu übersehen. Die bundesligaerfahrenen Winter-Neuzugänge geben der Mannschaft ein anderes Bild, zudem reißen sie die etablierten Teammitglieder mit. "Wir haben Jungs geholt, die uns sehr guttun können", sagte Stamm am Sky-Mikrofon und meinte damit nicht nur Abwehrboss Keller, der hinten für viel mehr Ruhe sorgt und vorn in seinem zweiten Dynamo-Spiel zum zweiten Mal traf.
Dass die Neuen nicht fehlerfrei sein können, zeigte sich beim 0:1 durch Mateusz Zukowski. Eine unendlich lange Seitenwechsel-Flanke unterlief Jonas Sterner durchaus anfängerhaft, so dass Baris Atik den Torschützen mustergültig ohne Gegenwehr bedienen konnte. "Da bin ich selbstkritisch. So etwas hatte ich schon mehrfach in meiner Laufbahn, normalerweise kläre ich das ganz einfach", sagte der von Hannover 96 vorübergehend nach Dresden zurückgekehrte Rechtsverteidiger und lobte das Team: "Es zeichnet die Mannschaft aus, dass sie mich da rausgeholt haben und wir einen Derby-Sieg feiern konnten."
Dynamo nun auch bei Standards gefährlich
Das neue Dynamo identifiziert sich aber nicht nur durch eine gefestigte, als Verbund auftretende Deckung. Dresden im Jahr 2026 ist auch ein konsequentes Nutzen von Standardsituationen, die zudem sehr vielfältig in den gegnerischen Strafraum geschlagen und dann relativ effektiv verwertet werden.
Dazu wird die Mannschaft durch die ballsicheren Niklas Hauptmann und Jason Ceka bei Umschaltmomenten immer wieder gefährlich, wenngleich hier die Effektivität noch sehr verbesserungswürdig ist. "Das wissen wir, haben aber auch immer wieder betont, dass wir wie heute auch da torgefährlich werden können", sagte Stamm.
Keller: Man muss auch leiden können
Fußballerisch war vornehmlich der Auftritt in Halbzeit zwei kein Leckerbissen. "Man muss im Fußball auch mal leiden können und wir haben die letzten zehn Minuten gelitten", sagte Keller, der in seiner Jugend als Stürmer aufgeboten worden war, ehe "es dann immer weiter nach hinten ging."
Gegen Arminia Bielefeld - den nächsten Tabellennachbarn - muss am Sonntag scharf nachgelegt werden, um die Euphorie am Köcheln zu halten. Man müsse das, was man in Magdeburg gezeigt habe, wiederholen. "Vielleicht einen bissel bessern Fußball spielen als heute", wünschte sich Keller.
